Brüssel - Die EU-Kommission hat die verzögerte Rettung von 27 im Mittelmeer gekenterten afrikanischen Flüchtlingen kritisiert. Jedes Schiff müsse Leben retten, erklärte der Sprecher von Justizkommissar Franco Frattini am Dienstag in Brüssel. Ziel sei einerseits, die illegale Migration zu bekämpfen, andererseits Leben zu retten. Vorschnelle Kommentare wollte der Sprecher nicht abgeben. Es sei keine leichte Situation und er könne nicht auf Fragen antworten, bevor nicht alle Fakten vorliegen.

Mangelhafte Patroullien

Gleichzeitig konzedierte der Frattini-Sprecher, dass die Kooperation der Mittelmeer-Anrainer bei Patrouillen auf See mangelhaft gewesen sei. Er rief die Mitgliedstaaten auf, zu klären, wer die Verantwortung für die Flüchtlinge übernimmt. Wann genau die EU-Grenzschutzagentur Frontext ihre Arbeit wieder beginnt, war zunächst nicht klar. Frontex prüft derzeit, welches Land wann für Bootsflüchtlinge in Seenot zuständig sei. Dabei gehe es sowohl um die Frage des Seerechts als auch um die Menschenrechte.

Am Pfingstwochenende war es zu einer dramatischen Rettungsaktionen von Flüchtlingen im Mittelmeer gekommen. Ein spanischer Schlepper hatte 26 Afrikaner vor dem Ertrinken gerettet, die mit einem Boot vor der Küste Libyens gekentert waren. Nach spanischen Medienberichten vom Dienstag weigerte sich sowohl Libyen als auch das EU-Mitglied Malta, die aus der Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) stammenden Flüchtlinge aufzunehmen. Die Afrikaner mussten drei Tage auf dem Schlepper ausharren, der beim Tunfischfang eingesetzt wurde.(APA)