Bregenz – Schweizer Produkte galten den Vorarlbergern lange Zeit als Inbegriff für Qualität. Objekte der Begierde waren nicht nur Nudeln und Kaffee, den Sportlichen hatten es die rostfreien Schweizer Räder angetan. Velo um Velo passierte die Grenze.

Josef Hämmerle, Fahrradhändler in Hard am Bodensee, wollte nicht zuschauen, wie ihm das Geschäft davonradelte. Seine Idee: Was die Schweizer können, können wir auch. So begann er vor fast 50 Jahren mit der Entwicklung technisch ausgefeilter Rahmen, ließ sie von Subbetrieben produzieren und montierte sie zu hochwertigen Fahrrädern. Die Firma nannte er "Simplon", wie den Schweizer Alpenpass. Das sollte Schweizer Qualität suggerieren.

Erfolgreich im Export

"Das Blatt hat sich gewendet, wir exportieren heute erfolgreich in die Schweiz", sagt Heinz Hämmerle. Der ehemalige Rennfahrer hat den Betrieb von seinem Vater übernommen und führt ihn mit seinem Sohn Andreas und Neffen Christian. Aus der kleinen Werkstatt wurde ein Nischen-Unternehmen mit 55 Beschäftigten. "Handmade with Pride" lautet ihr Slogan. Ob Rennrad, Mountain-Bike oder Stadtrad: "Unser Highend-Produkt zählt weltweit zu den führenden Fabrikaten", sagt Heinz Hämmerle. Das habe auch seinen Preis. So kostet ein Simplon-Rad im Schnitt 2.200 Euro. Sie sind dafür maßgeschneidert, entsprechen den Körperproportionen und Wünschen der Kunden. Bei ausgesuchten Händlern findet man Schaustücke, das eigene Rad wird nach exakter Vermessung angepasst und in "zwei, drei Tagen, wenn so viel los ist wie jetzt, in zehn Tagen, geliefert".

13.000 Stück werden pro Jahr verkauft, damit sei man im Hochpreis-Segment Marktführer. 17 Millionen Euro Umsatz wird die Simplon Fahrrad GmbH heuer machen. Beliefert wird ausschließlich der deutschsprachige Markt, "weil wir die Qualität nur halten können, wenn wir nicht zu groß werden", sagt Hämmerle.

Entwickelt und montiert werden die maßgeschneiderten Bikes in Hard. Die Rahmen kommen aus Fernost, vorwiegend aus China. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.5.2007)