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UEFA-Präsident Michel Platini, der alte und neue FIFA-Präsident Sepp Blatter und Dejan Savicevic. Montenegro ist neues FIFA-Mitglied, der Ex-Rapidler fungiert als Präsident des dortigen Fußballverbandes.

Foto: APA/Schmidt
Zürich - Joseph Blatter steht für weitere vier Jahre an der Spitze des Fußball-Weltverbandes (FIFA). Der 71-jährige Schweizer wurde am Donnerstag auf dem 57. FIFA-Kongress in Zürich per Akklamation als Präsident bestätigt und tritt seine dritte Amtsperiode an, die bis 2011 dauern wird. Blatter, der als einziger Kandidat zur Wahl stand, ist seit 1998 Vorsitzender des Weltverbandes.

Erstmals wurde Blatter von den Delegierten der 208 FIFA-Mitgliedsländer per Akklamation in seinem Amt bestätigt. Vor neun Jahren hatte sich der Schweizer nach einem von Manipulationsvorwürfen begleiteten Wahlkampf in Paris knapp gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson aus Schweden durchgesetzt und die Nachfolge von Joao Havelange angetreten. Vier Jahre später blieb er in Seoul im Duell mit seinem Herausforderer Issa Hayatou aus Kamerun erfolgreich.

Blatter betonte stets die soziale Verantwortung des Fußballs. Angesichts von weltweit 260 Millionen Fußball spielenden Menschen müsse man sich besonders den sozialen Herausforderungen stellen. "Wir müssen die Werte des Fußballs verteidigen gegen den Teufel im Fußball", sagte er am Donnerstag vor den Delegierten im Zürcher Hallenstadion. Namentlich nannte der Schweizer in diesem Zusammenhang Doping, Korruption und Rassismus.

Eine der wichtigsten Aufgaben Blatters in seiner nächsten Amtszeit wird es sein, sich weiter um die stockenden Vorbereitungen der WM 2010 in Südafrika zu kümmern. Die deutsche Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer wurde als europäisches Mitglied in das FIFA-Exekutivkomitee aufgenommen. Der 61-Jährige tritt damit die Nachfolge des ehemaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder an, der nach insgesamt elf Jahren aus der Regierung des Weltfußballs ausscheidet.

Der Visionär

Joseph S. Blatter gehört zweifellos zu den einflussreichsten Männern der Sportwelt - und auch zu den umstrittensten. Gerne sieht sich der FIFA-Präsident als großer Visionär, doch seine Kritiker verpassen ihm immer wieder den Stempel des berechnenden Machtmenschen und gefühlskalten Funktionärs. Seit seiner Amtsübernahme im Juni 1998 verfolgen den Schweizer die Vorwürfe, den wichtigsten Posten im Weltfußball nicht mit sauberen Mitteln übernommen zu haben und seither ein autokratisches System zu führen.

Juristische Vergehen konnten dem 71-Jährigen nie nachgewiesen werden, und so sieht sich Blatter auch in seiner dritten Amtszeit als Chef des Fußball-Weltverbandes in der Rolle des Weltverbesserers. Beharrlich verweist Blatter auf die unter ihm vorangetriebenen sozialen Projekte wie das FIFA-Programm Goal. "Der Fußball ist noch nicht da, wo ich ihn hinhaben will", begründete er seine erneute Kandidatur, obwohl er vor neun Jahren seine Zeit als FIFA-Präsident auf zwei Amtszeiten beschränkt gesehen hatte.

Vor seinem 70. Geburtstag im März 2006 fühlte er sich "im besten Alter für große Taten". Und kurz vor seiner erneuten Wahl beim Kongress von Zürich betonte er: "Ich bin gesund, das hat mir mein Arzt bestätigt." Großer Tatendrang und die Konzentration auf das Wesentliche waren schon immer Blatters Stärken. Als Schüler schwänzte er die morgendlichen Messen, arbeitete stattdessen bald als Laufbursche in Zermatter Hotels.

Einen richtigen Beruf habe er nicht erlernt, sagte der studierte Volkswirt. Über Tätigkeiten als PR-Chef des Walliser Verkehrsverbandes, Generalsekretär des Schweizer Eishockey-Verbandes und selbstständiger Marketing-Fachmann kam der Selfmade-Mann 1975 zur FIFA und machte als Zögling des damaligen Vorsitzenden Joao Havelange Karriere - bis hin zum Präsidententhron.

Sowohl die Wahl in Paris 1998 als auch die Bestätigung im Amt vier Jahre später in Seoul waren die wohl schwierigsten Momente in Blatters Laufbahn. 20 Briefe mit je 50.000 Dollar Inhalt sollten 1998 von Blatter an afrikanische Delegierte gegangen sein. Blatter bezeichnete sie als vorab vereinbarte Zahlungen für "Verbände in schwieriger Lage". 2002 drohte die Revolution von innen: Doch Blatter setzte sich in der Wahl gegen den Kameruner Issa Hayatou durch.

Die zuvor laut gewordenen Vorwürfe von Misswirtschaft und Rechtsverstößen im Amt im Zuge der Pleite des Sportrechtemaklers ISL/ISMM blieben letztlich unbewiesen. (APA/dpa)