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Investor Tilo Berlin: Er sammelte die Zwischenfinanciers.

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Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider: Er warnte vor einer "Übernahme durch Heu-schrecken".

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Die geheimnisvolle Investorengruppe rund um Tilo Berlin, deutscher Investmentbanker und künftiger Chef der Hypo Group Alpe Adria, dürfte rund 137 Millionen Euro am Verkauf der Mehrheit der Kärntner Landesbank nach München verdient haben. Den Großteil dieses Gewinns aber haben wohl nicht "reiche österreichische und deutsche Familien", sondern ausländische Hedgefonds kassiert.

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Wien – Der mehrheitliche Verkauf der Kärntner Landesbank Hypo Group Alpe Adria an die Bayerische Landesbank war für die Investorengruppe Berlin & Co. ein lukrativer Deal. Allerdings weniger für die von Investmentbanker Tilo Berlin gesammelten und nicht näher spezifizierten "deutschen und österreichischen Industriellenfamilien" als für Finanzinvestoren: Den Großteil des Gewinns beim Weiterverkauf nach München dürften angloamerikanische Hedegefonds gemacht haben.

Wie berichtet haben die Investoren von Berlin & Co. zweimal je 125 Millionen Euro in die Bank eingebracht (Ende 2006 und im Februar) und zudem ein Hypo-Paket der steirischen Grawe übernommen. Anfang dieses Jahres hielt die Investorengruppe die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) an der Bank, den goldenen Schnitt hat sie beim jetzigen Blitzverkauf an die Münchner gemacht: Sie haben, binnen weniger Monate, rund 137 Mio. Euro verdient.

Licht ins Dunkel

Schön langsam kommt auch ein bisschen Licht ins Dunkel, wer genau denn die Geldgeber sind, die Tilo Berlin – er wird ab Sommer der neue Chef der Klagenfurter Bankgruppe – um sich geschart hat. Offiziell ist diesbezüglich nichts zu erfahren: Berlin spricht nur von besagten betuchten Familien; gerüchteweise wird darunter der Freundeskreis vom Wörthersee subsumiert bzw. dessen Privatstiftungen, wie jene Heidi Hortens oder die Flick-Stiftung (in ihrem Vorstand sitzt Hypo-Präsident Wolfgang Kulterer). Der Aufsichtsratspräsident von Berlin & Co., Falk Strascheg: "Wir sagen nichts über unsere Investoren, es herrscht absolute Vertraulichkeit." Der Einzige, der zu seinem Investment öffentlich steht, ist Industriellen-Präsident Veit Sorger.

Das meiste Geld dürften zwei Hedgefonds (besser bekannt als "Heuschrecken", das sind risikolustige Kapitalgeber mit Interesse an raschen, hohen Gewinnen) zunächst investiert und dann kassiert haben. Einer davon ist, wie die Bank beim Verkauf bekannt gegeben hatte, Kingsbridge Capital Advisers, eine Hedgefonds-Gesellschaft der Wiener Hardt Group. Einer ihrer Gründer (neben dem Amerikaner Jeff Landle) ist Alexander Schweighardt, der einst die Alternative Investments der Münchner HypoVereinsbank, HVB, gemanagt hatte und ein guter Bekannter Berlins ist. Kingsbridge ist in London daheim, zuletzt ist der Fonds beim deutschen Modellbahnbauer Märklin eingestiegen.

Gemeinsam mit einem weiteren Hedgefonds (möglicherweise Permira, das ist jener britische Hedgefonds-Riese, der Premiere besaß und 2006 die Tiefkühlsparte Iglo von Unilever gekauft hat) hatten alle "Zwischenfinanzierer" für ihre 25-plus-eins-Beteiligung rund 690 Mio. Euro in die Hand genommen (Bewertung der Bank: 2,75 Mrd. Euro).

Heuschrecken-Futter

Allein rund 500 Millionen dieser Kapitalspritze, so hat der STANDARD aus Bankenkreisen erfahren, wurden von den Fonds aufgestellt. Beim von Landeshauptmann Jörg Haider blitzschnell und wenig elegant durchgepeitschten Verkauf lag die Bewertung der Bank, auf deren Basis die Bayern eingestiegen sind, bei 3,25 Mrd. Euro – macht für 25 Prozent rund 812 Mio. Euro.

Die Differenz zum Einsatz der Investorengruppe (plus 12,5 Mio. "Sonderdividende" plus 30 Mio. Euro Nachbesserung, die fällig wird, wenn die Bank heuer gut wirtschaftet) macht den Gewinn für die Investorengruppe Berlin & Co. aus: 137,5 Mio. Euro. Rund 90 Mio. davon gehen an die Fonds, Tilo Berlin selbst dürfte der Deal rund 20 Mio. Euro in die Kassen gespült haben. Der bescheidene Rest bliebe diesfalls "den Familien".

Gut verdient - "bei kaum Risiko"

Ein Involvierter dazu: "Die rund 500 Mio. Euro Einsatz waren für die Finanzinvestoren ein Klacks, sie haben in kurzer Zeit bei kaum Risiko ganz gut verdient." Der Klagenfurter Bank (das Land haftet bis 2017) war mit diesem Klacks jedenfalls sehr geholfen: Sie hatte das Eigenkapital im Vorjahr wegen der Auswirkungen der Spekulationsverluste in der Höhe von 328 Mio. Euro gebraucht wie einen Bissen Brot. Die "Heuschrecken" kamen gerade recht; dass sie beinah unbemerkt kassiert haben und weitergezogen sind, dürfte besonders Haider freuen. Haider am 17. Mai: "Wir verkaufen nicht an Heuschrecken-Höllenhunde, sondern an Partner aus Bayern, die Sympathie für Kärnten haben." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2007)