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Foto: APA/Andreas Lander
Die hellhäutigen Menschen, die in Ländern mit vielen Sonnenstunden leben, wissen es schon lange. Den Cowboyhut haben die Texaner nicht zum Gaudium erfunden. Auch die Australier haben allerlei attraktiven Sonnenschutz zum Aufsetzen, die Fremdenlegion steuert die besonders merkwürdige aber umso effektivere Schirmkappe mit angenähtem Nackenbedecktüchl bei. Mit Ozonloch und Klimawandel erleben die traditionellen Sonnenschützer mit unerwarteten Aufschwung. Die australische Gesundheitsbehörde empfahl in einer Krebsvorsorge-Kampagne die "Slip-Slop-Slap"-Strategie: Slip on a shirt - Hemd anziehen, slop on sunscreen - Sonnencreme draufklatschen, slap on a hat - Hut aufsetzen. Die amerikanische Food and Drug Administration ist auf den eingängigen Slogan aufgesprungen. Er geht nicht nur gut ins Ohr, sondern gilt als die einzige nachhaltige Strategie.

Bei Slip und Slap ist die Sache klar, bei Slop schon weniger. Was soll man sich draufsloppen und woraus besteht es, wie soll man es anwenden? Die meisten Sonnenschutzkosmetika bestehen aus Wasser, Öl und einem Lichtschutzfilter. Die pflegenden Eigenschaften sind nach Marke, Preis und Produktkonzept höchst unterschiedlich, die Lichtschutzfilter nicht so sehr. Die chemische Industrie entwickelt Filterkomplexe, die zumeist aus zwei bis sechs Komponenten bestehen. Das ist nötig, um die unterschiedlich langen Lichtwellen abzufangen. UVA und UVB-Filter zu kombinieren, ist eine eindeutige Empfehlung der Gesundheitsbehörden. Eine ist ein anorganischer Filter, entweder Titan- oder Zinkoxidpartikel, die das Licht reflektieren. Die anderen sind organische (chemische) Substanzen, die das Licht ablenken oder in Wärme umwandeln. Die organische Komponente des Lichschutzfilters Uvinul A Plus von BASF etwa trickst das Licht mit einem Mechanismus aus, den das Unternehmen H-Shift nennt. Die UVA-Strahlen bewirken, dass innerhalb des Moleküls ein Wasserstoffatom den Platz wechselt. Wenn das Atom zurückwandert, wird das Licht als Wärme abgegeben, und das Molekül ist bereit für die nächste Lichtladung.

Die anorganischen klingen unkompliziert, lösen keine Allergien aus und...

bilden eine relativ photostabile Lichtbarriere. Der Forscherdrang richtet sich hier auf kleinstmögliche Dimension der Partikel. Wie klein darf es sein, damit die Konsistenz auf der Haut möglichst fein und unpastig ist, und trotzdem noch möglichst viele Wellenlängen am Aufprallen auf die Hautoberfläche und Eindringen in tiefere Schichten zu vermeiden? Das Zauberwort heißt nano. Es kommen Partikel mit einem Durchmesser von 80 bis 100 Nanometer zum Einsatz. Wird\s noch kleiner, könnte sich das kurzwellige UV dran vorbei schummeln.

Mehr Diskussionsstoff bieten die organischen Komponenten

Margret Schlumpf und Walter Lichtensteiger von der Universität Zürich haben mit einer Studie Aufsehen erregt, die nachweist, dass acht von zehn UV-Filtern östrogene Wirkung entfalten. Im Tierversuch wirkten die Filter auf das Reproduktionssystem von Ratten.

"Diskutiert wurde die Studie," sagt Adrian Tanew, Dermatologe am Wiener AKH, "aber Rückschlüsse auf den Menschen sind nicht zulässig". Eine unabhängige Expertenkommission wäre nicht zu dem Schluss gekommen, dass man aufgrund dieser Studie Empfehlungen abgeben müsse. "Eine Maus ist nun einmal kein Mensch, und die jahrzehntelange Praxis mit diesen Substanzen gibt keinen Hinweis auf solche Probleme. Ich kenne keinen einzigen reportierten Fall," meint der Dermatologe weiter. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung empfahl immerhin in einer Stellungnahme im August 2003, dass man auf den Einsatz eines der von Schlumpf und Lichtensteiger inkriminierten Substanzen, 4-Methylbenzylidene Camphor, in Haut- und Lippenpflegeprodukten verzichten möge.

Gibt es in solchen Detailfragen auch unterschiedliche Ansichten, die Notwendigkeit des "Sloppens" ist unstrittig. Aber mit Vernunft und Strategie. Das bedeutet: Man braucht UVA- und UVB-Filter, keine Sonne zwischen 10 und 14 Uhr, Nachschmieren nach dem Baden, Schwitzen, Abtrocknen, Sloppen auch an bewölkten Tagen. Und: Hoher Lichtschutzfaktor verlängert nicht die empfohlene Sonnenzeit. Für Vernunft und Strategie wird man belohnt. Eine australische Studie belegt, dass die Hautkrebsraten bei jüngeren Personen, die sich nicht mehr zum Braten in die Sonne legen und die Slip-Slap-Slop-Sache zu ihrem Alltag gemacht haben, im Sinken begriffen sind. (B.S./Der Standard/rondo/1/6/2007)