Die Schweiz öffnet ihre Grenzen für ausländische Arbeitskräfte aus den 15 "alten" EU-Ländern. Seit fünf Jahren durften diese zwar in der Schweiz arbeiten, doch war die jährliche Zuwanderung kontingentiert. Seit Freitag gilt diese Beschränkung nicht mehr: Wer einen Arbeitsvertrag hat, darf kommen und sich in der Schweiz niederlassen. Derzeit sind laut Schätzungen des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums rund 30.000 Österreicher in der Schweiz tätig, davon sind rund 9000 Pendler, die ins westliche Nachbarland zur Arbeit gehen.

Kontingente gibt es nur noch für die Menschen aus den neuen EU-Ländern Ost- und Mitteleuropas; diese dürfen erst ab 2011 unbeschränkt einreisen. Und für Menschen außerhalb Europas bleibt der Schweizer Arbeitsmarkt praktisch vollständig verschlossen.

Vorsichtige Öffnung

Mit dieser vorsichtigen Öffnung hat die Schweizer Regierung den Befürchtungen vor einer allzu starken Einwanderung Rechnung getragen: Ausländische Arbeitskräfte könnten Schweizern die Jobs wegnehmen und das Lohnniveau nach unten drücken, befürchteten Gewerkschaften und Nationalisten gleichermaßen, als es vor fünf Jahren darum ging, die Grenzen etwas zu öffnen.

Die Erfahrungen haben gezeigt, dass Befürchtungen unbegründet waren. Der Boom der letzten Jahre sei zu einem Großteil der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte zu verdanken, sagte Serge Gaillard vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco im Schweizer Rundfunk. Aus der EU seien viele gut qualifizierte Ingenieure und Techniker gekommen. Diese hätten den Unternehmen geholfen, die Produktion anzukurbeln und damit auch neue Jobs für weniger gut qualifizierte Arbeitskräfte zu schaffen. Allein im letzten Jahr sind 60.000 neue Stellen entstanden, die Arbeitslosigkeit ist auf 3,3 Prozent zurückgegangen. "Ohne ausländische Arbeitskräfte könnte unsere Wirtschaft nicht so stark wachsen", sagte Gaillard. "Wir rechnen für heuer mit zwei Prozent Wachstum oder mehr. Wir verzeichnen den längsten Aufschwung seit den 80er-Jahren. Den haben wir auch der Personenfreizügigkeit zu verdanken." (Klaus Bonanomi aus Bern, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.6.2.007)