Ankara - Der Versuch zweier türkischer Mitte-Rechts- Parteien, der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP bei den Wahlen am 22. Juli mit einem neuen Bündnis die Alleinregierung streitig zu machen, ist gescheitert. Die Mutterlandspartei (ANAVATAN) und die Partei des Rechten Weges (DYP) konnten sich am Sonntag in Ankara nicht auf die geplante Gründung einer gemeinsamen Partei namens "Demokratische Partei" (DP) einigen.

Vor allem unterschiedliche Vorstellungen über die Besetzung der Wahlliste verhinderten letztlich die Einigung. "Eine große Chance für die Türkei wurde verpasst", meinte der Vorsitzende der Mutterlandspartei, Erkan Mumcu. Die derzeit größte Oppositionspartei CHP (Republikanische Volkspartei) ist bereits ein Wahlbündnis mit der ebenfalls links-nationalen Demokratischen Linkspartei (DSP) eingegangen.

Streit um Wahl des neuen Staatspräsidenten

In der Türkei tobt seit Wochen eine Auseinandersetzung über die Wahl des neuen Staatspräsidenten. Das türkische Parlament hatte am Donnerstag vergangener Woche ein Paket von Verfassungsänderungen gebilligt, das eine Direktwahl des Staatspräsidenten durch das Volk vorsieht. Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan war zuvor mit dem Versuch gescheitert, Außenminister Abdullah Gül vom Parlament zum Staatsoberhaupt und Nachfolger von Ahmet Necdet Sezer wählen zu lassen.

Die Wahl Güls war am Widerstand der Militärführung und der laizistischen Opposition gescheitert, die einen weiteren Machtzuwachs der AKP (Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei) zu verhindern suchen. Als Ausweg aus der Krise hat das Parlament auch vorgezogene Neuwahlen für den 22. Juli beschlossen. (APA/dpa)