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Brier bei seinem Vorjahressieg in Oberwaltersdorf. Seitdem golft er immer besser.

Foto: Getty/Warren Little
DER STANDARD: Wie viele Dopingkontrollen hatten Sie bisher in Ihrer Karriere? Brier: Keine.

STANDARD: Man hört aber, dass auch im Golf Dopingkontrollen eingeführt werden sollen.
Brier: Es hat schon welche gegeben, vor allem in Frankreich, weil es dort ein bisserl sensibler ist. Sie haben fünf Spieler kontrolliert, einer hat ein Schmerzmittel genommen, das auf der Dopingliste war. Der Spieler war 48 Jahre alt. Sie haben es dann wegen Sinnlosigkeit abgebrochen.

STANDARD: Weshalb ist Doping im Golf ein Thema geworden?
Brier:Wahrscheinlich im Hinblick auf eine Olympiateilnahme. Da musst du dich den Dopingrichtlinien unterwerfen.

STANDARD: Macht Doping im Golf Sinn?
Brier: Ich glaube nicht, dass es viel Sinn macht, übermäßig den Muskelaufbau, übermäßig die Kondition zu steigern, weil das Wichtigste ist nach wie vor das Gefühl, und ich glaube, da ist jede Art von Doping total kontraproduktiv. Dann sagen manche, im Golf musst du Betablocker nehmen, aber da schläfst wieder ein. Ich glaube auch nicht, dass es sinnvolle Arten von Nikotin- oder Koffein-Doping gibt. Das sage ich als Kaffeetrinker und Raucher.

STANDARD: Stichwort Olympia. Wäre eine Teilnahme für Sie reizvoll?
Brier: Das wäre toll, aber ich fürchte, das wird es für mich nicht spielen. Peking 2008 und London 2012 sind leider schon abgelehnt. Und 2016, glaube ich, wird zach für mich.

STANDARD: Es gab aber immer wieder Beispiele, dass auch ältere Herrschaften gut golfen können, Jack Nicklaus beispielsweise cuttete mehrmals im fortgeschrittenen Alter in Augusta. Die Karrieren können schon lang dauern.
Brier: Das schon, keine Frage, aber es wird auch die Masse, also die Jungen, immer besser. Und bis dahin, hoffe ich, werde ich nicht mehr der einzige Österreicher sein.

STANDARD: Und wodurch wird man besser?
Brier: Beständigkeit. Man muss schon den Blick nach vorne werfen, aber bei seinem Spiel bleiben, sein Spiel verbessern, nicht irgendetwas imitieren. Golf ist ein Erfahrungssport. Gerade in meinem fortgeschrittenen Golfalter habe ich von der Technik her nicht mehr so ein Potenzial, sondern eher im mentalen Bereich, weshalb ich in diese Richtung viel arbeite.

STANDARD: Macht es denn keinen Sinn, sich anzuschauen, wie beispielsweise Tiger Woods spielt. Der kann ja offenbar irgendwas besonders gut?
Brier: Seine Technik ist sehr, sehr gut, nur ist sie brutal schwer zu kopieren. Man kann sich eher abschauen, wie er agiert am Golfplatz, wie er trainiert von der mentalen Seite. Natürlich kann man von jedem lernen, aber man muss es für sich adaptieren, nicht blind übernehmen. Wenn ich sag, ich kopier jetzt die Technik vom Woods, dann müsste ich wahrscheinlich drei Jahre lang nur trainieren.

STANDARD: Sie sind jetzt die Nummer 97 der Weltrangliste. Was ist für Sie noch drinnen?
Brier: Die Top 50 sind das Ziel. Ein oder zwei Jahre gebe ich mir dafür, aber wenn ich so weitermache, wie ich in den vergangenen acht Wochen gespielt habe, kann es schneller gehen. Bist du Top 50, kannst du alle Majors spielen, alle World Golf Championships.

STANDARD: Sehen Sie eine Chance, ins europäische Ryder-Cup-Team zu kommen?
Brier: Die Voraussetzung dafür ist, dass ich unter die Top 50 der Welt komme. Denn um die notwendigen Punkte für den Ryder Cup zu machen, muss ich die ganz großen Turniere spielen. Aber wie gesagt, so wie es zuletzt gelaufen ist, kann ich mir schon höhere Ziele setzen.

STANDARD: Jetzt steht einmal eine Titelverteidigung im Club Fontana an. Was macht den Heimvorteil aus.
Brier: Dass ich die Grüns perfekt kenne, jede Welle, die Linie. Ich weiß auf jedem Loch, woher der Wind weht, wohin er drehen könnte. Den Vorteil in Schlägen auszudrücken, ist schwer. Vielleicht ist es ein Schlag pro Runde, das sind vier übers Turnier, das ist dann schon eine Welt.

STANDARD: Sie sehen sich also als Favorit bei den BA-CA-Open?
Brier: Schon. Ich bin gut drauf, fühl mich wohl, hab zuletzt gut gespielt und gut trainiert. Der Heimvorteil ist nach wie vor gegeben. Ob es dann wirklich klappt, ist eine andere Geschichte.

STANDARD: Wie viel Zeit verbringen Sie auf dem Golfplatz, wenn Sie nicht gerade in einem Turnier engagiert sind?
Brier: So fünf bis sechs Stunden. Da trainierte ich aber mehr als ich spiele. Zuletzt kamen mehr Sponsorverpflichtungen zustande. Manchmal bin ich auch wegen diverser Termine 16 Stunden am Tag unterwegs. Das kommt mit dem Erfolg, gehört einfach dazu. Es ist nicht immer alles rosarot, auch wenn mir der Beruf nach wie vor taugt.

STANDARD: Dafür können Sie jetzt Ihre Familie ernähren, was ja am Anfang der Karriere nicht so leicht war. Brier: Das geht jetzt gut, ich beschwer mich nicht. Ausgesorgt habe ich aber noch nicht. Da müsste ich noch drei, vier solche Saisonen spielen. (DER STANDARD, Printausgabe, Montatg, 4. Juni 2007, Benno Zelsacher)