Wien - Börsenotierte Unternehmen und Beteiligungsgesellschaften wollen in Österreich künftig enger zusammenarbeiten. Ziel dieser verstärkten Kooperation sind verbesserte Rahmenbedingungen für das so genannte Private Equity (PE) oder Venture Capital (VC)-Beteiligungsgeschäft bis Anfang 2008, kündigten die Geschäftsführer des Aktienforums und des Dachverbands für Beteiligungskapital (AVCO), Markus Fichtinger und Jürgen Marchart, heute, Montag, in Wien an.

"Um international wettbewerbsfähig zu sein, müssen attraktive Rahmenbedingungen für Private Equity-Beteiligungen anstelle des Ende 2007 auslaufenden MiFiG-Regimes geschaffen werden", sagte Marchart. Hier bestehe "dringender politischer Handlungsbedarf". Die gegenwärtige Situation bedrohe die weitere Entwicklung des österreichischen Eigenkapitalmarkts für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Per Jahresende 2007 endet das bisherige Modell der Mittelstands-Finanzierungs-AGs (MiFiG), jene Gesellschaftsform, in der bisher die PE- und VC-Fonds organisiert waren. Gelinge es nicht, bis zum 1. Jänner 2008 moderne, international vergleichbare Rahmenbedingungen zu schaffen, die Steuertransparenz bringen und EU-kompatibel sind, dann drohe eine Abwanderung von Fonds und Kapital ins Ausland, so Marchart. AVCO und Aktienforum zeigten sich aber optimistisch, dass rechtzeitig eine neue Regelung gefunden werde.

Die neuen Fondsstrukturen sollten auf der international üblichen Rechtsform der Kommandit- oder Kommandit-Erwerbsgesellschaft (KG oder KEG) beruhen, so der Vorschlag. Zentrale Zielsetzung sei die steuerliche Transparenz des Fonds unter Berücksichtigung der Besonderheiten und Bedürfnisse der Private Equity-Industrie in aufsichts- und gesellschaftsrechtlicher Hinsicht.

Aufbruchstimmung in der Branche

Marchart und Fichtinger konstatieren eine "Aufbruchsstimmung" in der heimischen Private Equity-Industrie. Im Jahr 2006 wurden 158 Mio. Euro in 190 kleine und mittlere Unternehmen investiert, um 10 Prozent mehr als im Jahr davor. Um knapp 30 Prozent wuchsen frische Fondsmittel für zukünftige Beteiligungsinvestitionen, dieses "Fundraising" belief sich auf 279 (217) Mio. Euro. Damit wurde das bisherige historische Hoch (235 Mio. Euro) aus dem Jahr 2000 übertroffen.

Den größten Anteil nahmen weiter Expansionsfinanzierungen (51 Prozent) ein, gefolgt von Buy-Out-Transaktionen zur Unternehmensnachfolge (40 Prozent). Die Bereiche Seed und Start-up sanken von zusammen 20 Prozent auf 6 Prozent. Die meisten Mittel flossen in den High-Tech-Bereich, wobei Computer (27 Prozent), Industrieprodukte und -leistungen (24 Prozent) und Medizin- und Gesundheitstechnologie (21 Prozent) an der Spitze liegen.

Wichtigste Investoren waren weiter die österreichischen Banken, die fast zwei Drittel (65 Prozent) der Mittel bereitstellten. Zweitgrößte Investorengruppe waren die Pensionsfonds (10 Prozent), gefolgt von Dachfonds (7 Prozent) und Versicherungen (6 Prozent). Ausländer steuerten mit 17 Prozent etwas weniger als im Jahr davor bei.

Gestiegene Erträge

Die beim Ausstieg ("Exit") erzielten Erträge stiegen um 46 Prozent auf 182 (124) Mio. Euro. Wichtigste Ausstiegsszenarien waren der Verkauf an ein Industrieunternehmen ("Trade Sale") oder ein Börsegang ("Public Offering").

Den Begriff "Heuschrecken" für Beteiligungsfonds hält Fichtinger für nicht angebracht. Denn zahlreiche Unternehmen hätten ohne Beteiligungskapital nicht weiterexistieren können, wie eine Studie von Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und AVCO belege. Demnach wiesen PE-finanzierte Unternehmen ein um 70 Prozent höheres Umsatz- und 50 Prozent höheres Beschäftigtenwachstum aus als andere Unternehmen. Zwischen 2000 und 2004 hätten solche Unternehmen europaweit 630.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. "Das sind keine Heuschrecken, sondern fleißige Bienen", so Fichtinger. (APA)