Wien – Grünräume und Erholungsflächen sind in Wien ein heikles Thema – vor allem dann, wenn ihr Verschwinden befürchtet wird. Zuletzt löste der Verkauf eines Teils des Otto-Wagner-Spitals, die Bebauung des Augartenspitzes und die Umwidmungen am Gelände des Geriatriezentrums am Wienerwald (Lainz) Sorge um die Nutzung von öffentlichen Grünflächen aus.

Nicht nur neue Flächenwidmungen für das Pflegeheim Lainz, das bis 2015 einem "Stadtquartier" Platz machen soll, auch kleinere Neubauprojekte in Floridsdorf und der Donaustadt stehen am Mittwoch auf der Agenda des Planungsausschusses. Grund genug für Sabine Gretner, Planungssprecherin der Wiener Grünen, darauf hinzuweisen, dass "Grünraum kontinuierlich angeknabbert" wird.

Konkret werde am Schilfweg in der Donaustadt die Umwidmung des Wald- und _Wiesengürtels für ein großes Gartencenter beschlossen. 160 Stellungnahmen von Anrainern seien eingegangen, auch der Fachbeirat für Stadtplanung und -gestaltung hatte sich für eine Reduzierung der Bebauungsfläche um die Hälfte ausgesprochen – was abgelehnt wurde. Eine von der Wiener Umweltberatung geforderte Umweltprüfung erschien der zuständigen Magistratsabteilung nicht erforderlich. "Auch wenn es sich nur um kleine Flächen handelt: Grünland wird immer wieder in Bauland umgewidmet. Die Stadt verabschiedet sich von Grünraumzielen", kritisiert Gretner.

Kein Park in "Kagraner Spange"

Weiters stört die Gemeinderätin, dass bei Umwidmungen in Neubaugebieten wie dem Projekt "Kagraner Spange" in der Widmung keine öffentlichen Parkanlagen ausgewiesen sind. Vielmehr bleibe die Errichtung eines zugänglichen Parks den Bauträgern überlassen. "Es kann nicht sein, dass die Stadt keine öffentlichen Parkanlagen mehr durchsetzen kann", spricht sich Gretner dagegen aus, dass Kompetenzen an Private abgegeben werden.

Architekt Rüdiger Lainer, Vorsitzender des magistrats-externen Fachbeirats, sieht die Entwicklung der Grünraumplanung hingegen "positiv" und setzt darauf, dass die Öffentlichkeit sehr wohl Einfluss auf die Gestaltung von Freiräumen nehmen werde. Die bereits 1995 beschlossene Ausdehnung des Wald- und Wiesengürtel sei "gut am Weg", beteuert Thomas Madreither, Leiter der Stadtplanungsabteilung des Magistrats. Der städtische Grünanteil von 50 Prozent werde jedenfalls gehalten. (Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe, 6.6.2007)