Nahr al-Bared/Beirut - Libanesische Soldaten haben im Osten des Landes eine Waffenlieferung der schiitischen Hisbollah-Miliz beschlagnahmt. Der Lastwagen mit Raketen und Munition für Maschinengewehre sei am Dienstagabend an einem Kontrollpunkt in der Nähe von Baalbek gestoppt worden, teilten die Sicherheitskräfte am Mittwoch mit. Die sechs Hisbollah-Mitglieder, die in dem Fahrzeug saßen, wurden nicht belangt, wie es weiter hieß. Unklar war, ob die Waffen innerhalb des Landes transportiert oder aus Syrien in den Libanon geschmuggelt worden waren.

Die libanesische Armee hat unterdessen erneut Stellungen der islamistischen Fatah al Islam in der palästinensischen Flüchtlingssiedlung Nahr al Bared angegriffen. Die Fatah al Islam habe zuvor Armeestellungen mit schweren Maschinengewehren beschossen, sagte ein Militärsprecher am Mittwoch. Auch am Morgen gab es demnach noch leichten Beschuss. Nach den Worten des Chefs der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas im Libanon, Sultan Abul Ainain, harren noch etwa 75 Fatah-al-Islam-Kämpfer in Nahr al Bared aus. Drei weitere hätten sich am Dienstag ergeben.

Fatah al-Islam droht

Die Fatah al-Islam drohte unterdessen mit einer Ausweitung ihrer Kämpfe. "Wenn die Armee weiterhin Zivilisten bombardiert und ihr unmenschliches Vorgehen fortsetzt, werden wir innerhalb der kommenden zwei Tage zur zweiten Phase des Kampfes übergehen" sagte am Mittwoch ein Kommandant der Gruppe. Zunächst solle dann der gesamte Libanon in die Auseinandersetzungen einbezogen werden, danach auch Syrien, Jordanien, die Palästinensergebiete und Israel.

Die libanesische Armee setzte derweil ihren Beschuss des palästinensischen Flüchtlingslagers bei Tripoli fort. Seit Beginn der Kämpfe vor zweieinhalb Wochen wurden mindestens 114 Menschen getötet. Die libanesische Regierung macht die Fatah al-Islam, die der Al-Kaida nahe stehen soll, für die Gewalt verantwortlich und hat sie zum Aufgeben aufgefordert.

Im Südlibanon stationierten die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und drei islamistische Palästinensergruppen eine 40-köpfige Truppe an einem Eingang des Flüchtlingslagers Ein al-Hilweh. Dort war es zu Wochenbeginn ebenfalls zu Kämpfen gekommen und zwar zwischen Extremisten der Gruppe Jund al-Sham und dem libanesischen Militär.

Die Gewalt zwischen Palästinensergruppen und libanesischen Sicherheitskräften dauert seit Ende Mai an. Bisher konzentrierten sich die Kämpfe vor allem auf Nahr al Bared im Norden des Landes. Aber auch beim Lager Ein al Hilweh bei Sidon im Süden kam es am Wochenende zu Auseinandersetzungen. (Schluss) mp (APA/Reuters)