Madrid/Wien - Einen Tag nach Verkündigung des Endes der Waffenruhe und der Androhung neuer Anschläge durch die baskische Terror-Organisation ETA ist einer ihrer prominentesten Aktivisten aus dem spanischen Baskenland (Euskadi) in ein Gefängnis bei Madrid verlegt worden. Jose Ignacio de Juana Chaos wurde am Mittwoch aus einem Spital in San Sebastian (Donostia) entlassen und in eine Haftanstalt in Aranjuez gebracht.

Auf der über 500 Kilometer langen Route galten höchste Sicherheitsvorkehrungen. Laut spanischen Medien wurde der Krankenwagen, in dem De Juana Chaos transportiert wurde, bei der Abfahrt in San Sebastian von mindestens 16 Panzerwägen der autonomen baskischen Polizei ("Ertzaintza") und drei weiteren Tarnfahrzeugen der paramilitärischen Guardia Civil begleitet.

Weitere zwölf Jahre Haft

Jose Ignacio de Juana Chaos hatte sich Anfang März nach rund drei Monaten im Hungerstreik in kritischem Zustand befunden. Der 51-Jährige verweigerte die Nahrungsaufnahme, um gegen eine weitere Haftstrafe zu protestieren. Er war 1987 zu 3000 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wegen guter Führung sollte er bereits Ende 2005 nach 18 Jahren frei kommen. Die spanische Justiz verurteilte ihn jedoch wegen Drohungen in zwei Zeitungsartikeln zu weiteren zwölf Jahren Haft.

Nach einem Einspruch war dieses Urteil vom Obersten Gerichtshof Spaniens drastisch reduziert worden, so dass er letztendlich noch eineinhalb Jahre absitzen müsste. Ursprünglich sollte er den Rest der Strafe unter Hausarrest absitzen, dagegen hatte es jedoch heftige Proteste gegeben.

Mehr als 800 Opfer

Der Kampf der ETA für die Unabhängigkeit des Baskenlandes hat seit dem Ende der 60er Jahre mehr als 800 Menschen das Leben gekostet. Zuletzt wurden bei einem Anschlag auf das Parkhaus des Madrider Flughafens am 30. Dezember zwei Menschen getötet.

Am Dienstag hatte die ETA einen im März 2006 verkündeten Waffenstillstand aufgekündigt. Aber bereits während dieser Zeit war es Ende Dezember zu einem Bombenanschlag auf den Flughafen Madrid gekommen, bei dem zwei junge Ecuadorianer starben. (APA)