Heiligendamm - Zum Auftakt des G-8-Gipfels in Heiligendamm lenkt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Klimaschutz offenbar ein. Merkel ließ am Mittwoch die Bereitschaft erkennen, dem Widerstand der USA gegen konkrete Vorgaben nachzugeben. Sie beharrte aber auf dem Fortgang des Klimaprozesses im Rahmen der UNO. Als weiteres zentrales Gipfelthema nannte sie nach einem Gespräch mit US-Präsident George W. Bush den Kampf gegen Armut und Krankheit in Afrika.

Den Auftakt des Gipfels bildete ein Abendessen der Staats- und Regierungschefs in Gut Hohen Luckow, rund 25 Kilometer von Heiligendamm entfernt. Gipfelgegner blockierten am Nachmittag Zufahrtswege zum Gipfelort.

"Recht gut"

"Ich glaube, wir wissen, dass die europäischen Ziele, für die wir voll einstehen, noch nicht sofort von der gesamten Welt geteilt werden", sagte Merkel vor Journalisten zum Klimastreit mit den USA. Entscheidend für sie sei, dass "wir am Ende dieses Gipfels weiter sind und einen klaren Schritt nach vorne gemacht haben". Gleichwohl will Merkel noch weiter um die Formulierungen der Klimaerklärung ringen. "Ich denke, dass wir, wenn wir noch etwas arbeiten, gute Chancen haben, gemeinsame Positionen herauszuarbeiten." Ihr Gespräch mit Bush beschrieb Merkel als "recht gut - und erfolgreich".

Die US-Delegation hatte schon vor Merkels Treffen mit Bush klargemacht, dass Washington keine konkreten Vorgaben zum Klima akzeptieren werde. Um solche Ziele zu vereinbaren, müssten alle Länder über die G-8 hinaus einbezogen werden, sagte Bushs Klima-Berater Jim Connaughton in Hinblick auf Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien sowie weitere Staaten wie Australien. Bush selbst bekannte sich nach dem Treffen mit Merkel aber dazu, gemeinsam an einer Nachfolgeregelung für das im Rahmen der UNO vereinbarte Kyoto-Protokoll zu arbeiten. Auch das Ziel einer Reduzierung von Treibhausgasen erkannte der US-Präsident im Grundsatz ausdrücklich an. Merkel hatte unter anderem ein Bekenntnis zur Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2050 erreichen wollen.

Die eigentlichen Arbeitssitzungen des Gipfels sollten am Donnerstag beginnen. Dabei sollte es neben dem Klimaschutz auch um außenpolitische Fragen wie die Lage in Nahost, im Kosovo und im Sudan gehen. Zudem stehen wirtschafts- und entwicklungspolitische Fragen auf der Tagesordnung. Am Nachmittag ist Zeit für bilaterale Gespräche.

Skepsis

Die Rockstars Bob Geldof und Bono haben sich nach einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel skeptisch über die Chancen für eine Einigung bei der Afrikahilfe auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm geäußert. Es habe einen "großen Krach" mit ihrem Mitarbeiterstab gegeben, sagte Bono am Mittwoch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Es war ein richtiger Streit", fügte er hinzu. "Wir stimmen in dem Ziel überein, aber nicht in dem Weg dorthin."

Ein Regierungssprecher verwies hingegen darauf, dass die Bundeskanzlerin klar gestellt habe, Deutschland werde seine Zusagen einhalten. Die Bundesregierung habe sich verständigt, den Entwicklungsetat im Jahr 2008 um 750 Millionen Euro zu erhöhen. "Das ist der größte Zuwachs unter allen Etats."

Mehrere tausend Globalisierungsgegner drangen am Mittwoch bis zum Sicherheitszaun rund um Heiligendamm vor und ließen sich vor den Kontrollstellen an den beiden Zufahrten nieder. Damit war das Tagungsgelände zeitweise nicht mehr auf dem Landweg zu erreichen. Die Gipfelteilnehmer wurden per Hubschrauber eingeflogen. Nachdem die Aktion über mehrere Stunden hinweg friedlich verlaufen war, entstand am Nachmittag Unruhe. Mehrere Demonstranten hätten sich mit Brandsätzen bewaffnet, sagte ein Polizeisprecher. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte das Verbot des für Donnerstag geplanten Sternmarsches in Heiligendamm sowie einer NPD-Demonstration in Rostock.

Ein Polizeisprecher verwies darauf, dass die Blockadeaktionen wegen des gerichtlich verhängten Demonstrationsverbotes in dem Areal um den Sicherheitszaun rechtswidrig seien. Sollte die Versorgung des G-8-Gipfels beeinträchtigt werden, werde die Polizei "Maßnahmen" ergreifen. Die Demonstranten kündigten an, die Blockade bis zum Ende des G-8-Gipfels am Freitag fortzusetzen. "Solange der Gipfel läuft, wird hier blockiert", sagte der Koordinator des globalisierungskritischen Netzwerks Attac, Sven Giegold. (APA/dpa)