Heiligendamm - Die USA sind nach Angaben von US-Präsident George W. Bush bereit, eine führende Rolle bei den internationalen Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel zu übernehmen. "Die USA werden aktiv beteiligt sein, wenn sie nicht sogar die Führung übernehmen bei einem Kyoto-Nachfolgeabkommen", sagte Bush am Donnerstag in Heiligendamm nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair.

Bush bezog sich dabei auf das im Rahmen der Vereinten Nationen vereinbarte Kyoto-Protokoll für Klimaschutz, das 2012 ausläuft. Er ging jedoch nicht ausdrücklich auf die Rolle der UNO beim Bemühen um das geplante Folgeabkommen ein.

Stärkere Einbeziehung wichtiger Schwellenländer

Bush drängte erneut auf eine stärkere Einbeziehung wichtiger Schwellenländer. "Unsere Rolle ist die einer Brücke zwischen den Menschen in Europa und anderen, wie Indien und China". Wenn diese mit am Tisch sitzen sollten, sei es wichtig, "dass wir ihnen die Chance geben, ein internationales Ziel zu setzen", sagte Bush vor Beginn der ersten offiziellen Arbeitssitzung des Gipfels weiter. Bush hatte bereits am Mittwoch nach einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel Bereitschaft zur Mitarbeit an einem Post-Kyoto-Prozess geäußert, von Merkel gewünschte konkrete Zielvorgabe der G-8 beim Klimaschutz jedoch abgelehnt.

"Es geht voran"

Auch hinter den Kulissen zeichnete sich im Streit um den richtigen Weg im Kampf gegen den Klimawandel Bewegung an. "Es geht voran", hieß es am Donnerstagvormittag aus der Umfeld von Merkel. Der Optimismus bezog sich auf die vorangegangene nächtliche Verhandlungsrunde der Unterhändler. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa aus Delegationskreisen haben die USA ihre Bereitschaft signalisiert, den weiteren internationalen Verhandlungsprozess über die Reduzierung der Treibhausgase unter dem Dach der Vereinten Nationen zu akzeptieren. Merkel, die dies fordert, empfing am Morgen die Delegationen zu einer ersten Arbeitssitzung in Heiligendamm.

Offen ist den Informationen zufolge aber nach wie vor, in welcher Form darüber hinaus konkrete Abbauziele bereits in das Abschlussdokument von Heiligendamm aufgenommen werden. Es zeichnet sich ab, dass in dem Dokument auf die Schlussfolgerungen des UN-Klimarats IPCC Bezug genommen wird. Darin hatte der UN-Klimarat vor kurzem festgelegt, dass der Klimawandel nur zu beherrschen sein werde, wenn die Erderwärmung nicht im Durchschnitt über zwei Grad gegenüber dem Beginn der Industrialisierung steigt. Dazu müssten nach Ansicht der Klimaexperten die Treibhausgase im Jahr 2050 um 50 Prozent auf der Basis von 1990 gesenkt werden.

Konkrete Reduktionsziele

Den Angaben zufolge verhandeln die G-8-Staaten nun darüber, ob diese konkreten Reduktionsziele in das Abschlusstext aufgenommen werden. Die deutsche Seite will mit Unterstützung von Großbritanniens Regierungschef Tony Blair und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy möglichst konkrete Zielvorgaben aus dem UN-Bericht auch in das Abschlussdokument übernehmen. Hiergegen gibt es noch Widerstand der amerikanischen Delegation. Die anderen Staaten seien weitgehend dazu bereit, hieß es. (APA)