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Aeroflot-Chef Waleri Okulow will durch Zukäufe auf dem europäischen Luftfahrtmarkt Fuß fassen.

Foto: APA/Kretzl
Vancouver/Moskau - Aeroflot-Chef Waleri Okulow bekräftigt sein Interesse an der Alitalia. Die Russen wollen damit Fuß auf dem europäischen Luftfahrtmarkt fassen. Sollte die Übernahme nicht gelingen, habe Aeroflot schon weitere Fluglinien in Europa im Visier. So wurde vergangenen Freitag ein Memorandum mit der serbischen Fluglinie JAT unterzeichnet, um sich an dieser mit 75 Prozent zu beteiligen.

Ein Auge hat Okulow auch auf die AUA geworfen. "Zuerst wollen wir das Geschäft mit Alitalia zustande bringen", sagte Okulow am Rande des Airline-Verbandstreffen IATA in Vancouver. Danach sehe man weiter. "Und deswegen will ich im Moment noch nicht über eine Beteiligung an Austrian Airlines reden".

Zugang zum Markt

Okulows Strategie ist es, finanziell angeschlagene Carrier zu übernehmen, sie zu sanieren und zugleich Zugang zum wichtigen Markt Europa zu bekommen. "Schließlich war auch Aeroflot in einer sehr schwachen Position. Daher glauben wir, dass wir die Erfahrung haben, andere Fluglinien wieder fit zu machen". Außerdem erziele Aeroflot über 50 Prozent der Einkünfte auf den Routen nach Europa. Dort wolle man weiter wachsen. Allein im ersten Quartal wuchs das internationale Geschäft um 20 Prozent.

AUA-Chef Alfred Ötsch reagierte auf das Interesse der Russen gelassen. Derartige Beteiligungen seien ohnehin Eigentümer-Entscheidungen. "Ich kann mir aus heutiger Sicht keinen Einstieg einer Fluglinie bei der AUA außerhalb der Star Alliance vorstellen", analysiert Ötsch. Und innerhalb der weltgrößten Allianz komme ohnehin nur eine Fluglinie in Frage, die passen würde: "Die Lufthansa. Doch da wir bereits eine intensive Kooperation mit Lufthansa haben, sehe ich hier keinen strategischen Einstieg". Sollte sich hingegen für die AUA die Möglichkeit ergeben, ihre Anteile an der Ukraine International Airlines (UIA) von derzeit 22 Prozent aufzustocken, "werden wir das ebenso prüfen wie den Einstieg bei anderen Fluglinien im Osten," sagte Ötsch.

Vorreiterrolle absichern

Ötsch will die Vorreiterrolle der AUA im Osten absichern und verteidigen. Denn zusehends drängen immer mehr Fluglinien in das Territorium der AUA vor. "Man kauft ja nicht die Airline, sondern einen Markt", so Ötsch. Daher will er dem AUA-Engagement in der Ukraine neuen Schwung verleihen. "Die Ukraine ist ein großer Businessträger und wir wollen hier einen Brückenkopf aufbauen." Ähnlich wie die Kooperation mit der russischen Fluglinie Air Union, wo die AUA den Flughafen Moskau Domodedovo als Drehscheibe nutzt, soll Kiew zu einem zentralen Umsteigepunkt der AUA entwickelt werden.

Weil Russland nicht in großem Stil bei der Airbus-Mutter EADS einsteigen konnte, will die Aeroflot nun einen Großauftrag an Boeing wiederbeleben, und zwar den Kauf von 22 Maschinen des Typs 787 im Wert von zwei Mrd. Dollar (1,48 Mrd. Euro). Der Vertrag war 2006 auf Eis gelegt worden. Branchenexperten hatten dafür die Verschlechterung der politischen Beziehungen zwischen Russland und den USA verantwortlich gemacht. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.6.2007)