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Die Sowjetunion errichtete insgesamt neun Radarstationen des Typs Pechora, um ihre Außengrenzen zu überwachen.

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Dieses undatierte Archivbild zeigt den Kontrollraum der Radarstation Gabala.

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Das Angebot des russischen Präsidenten überraschte die G-8-Staatschefs: Nachdem Russland bisher den US-Plan, ein gegen Angriffe aus den "Schurkenstaaten" Iran und Nordkorea gerichtetes Raketenabwehrsystem zu errichten, als Beginn eines neuen Wettrüstens kritisiert und sogar gedroht hatte, eine neue Generation von Kurzstreckenraketen auf die Standorte des Systems in Polen und der Tschechischen Republik zu richten, bot er nun die gemeinsame Nutzung der russischen Radaranlage in Aserbaidschan an.

Dieses LPAR-Radar, das noch zu Sowjetzeiten in der Nähe der Stadt Gabala errichtet wurde, hat einen Überwachungsradius von 6000 Kilometern und kontrolliert damit das Territorium des Iran, der Türkei, Chinas, Pakistans, Indiens, des Iraks und einen Großteil Afrikas.

Putin bot den USA an, die Daten, die in dem 16-stöckigen Betonblock gesammelt werden, in Echtzeit in ein gemeinsames Überwachungssystem einzuspeisen. Damit könnten aus dem Iran abgefeuerte Raketen bereits kurz nach dem Start von amerikanischen AEGIS-Kreuzern abgeschossen werden und auch der Bau der umstrittenen Raketensilos in Polen vermieden werden, gab er an.

Vor allem der mögliche Abschuss iranischer Atomraketen über russischem Territorium hat im Kreml für Besorgnis gesorgt: Trümmer des Flugkörpers würden die Bevölkerung gefährden, argumentieren Kritiker des US-Projekts. Wenn die Raketen über offener See abgefangen würden, wäre diese Gefahr gebannt. Außerdem würde der Raketenschild im Gegensatz zum derzeitigen US-Projekt, das Teile Südosteuropas nicht abdeckt, auch diesen Regionen umfassenden Schutz bieten.

Vertrauensfrage

Ob die USA auf Putins Angebot eingehen werden, ist fraglich: Einerseits hat Washington die Russen seit den 90er Jahren immer wieder aufgefordert, sich an einem solchen System zu beteiligen. Andererseits würde eine Zusammenarbeit auf solch hohem Niveau erhebliches Vertrauen zwischen den beteiligten Staaten voraussetzen.

Stephen Sestanvich, Russlandexperte beim konservativen US-Think Tank "Council on Foreign Relations", meinte zur New York Times, die Russen hätten in jüngster Zeit den USA und der NATO wenig Anlass gegeben, ihnen soviel Vertrauen entgegen zu bringen.

Yevgeny Volk, der Vorsitzende der Moskauer Niederlassung der konservativen Heritage Foundation, hält Putins Vorschlag für ein Ablenkungsmanöver, das die US-Pläne zum Aufbau des Raketenschilds in Europa verzögern soll: "Für mich sieht das wie ein Versuch aus, die Diskussion auf Abwege zu bringen und Vorschläge zu präsentieren, die für die USA wohl kaum akzeptabel sein werden", sagte er zu Reuters.

Technische Probleme

Experten weisen darauf hin, dass Putins Vorschlag schwer zu realisieren sein wird: Bei der russischen Anlage, für die Aserbaidschan sieben Millionen Dollar Jahresmiete kassiert, handelt es sich um ein LPAR (Large Phased-Array Radar), das zwar eine große Reichweite besitzt, aber die US-Anforderungen zur Zielerfassung nicht erfüllt. Das X-Band-Radar, das die USA in der Tschechischen Republik errichten wollen, soll aber genau diese Aufgabe erfüllen: Von dem Stützpunkt im tschechischen Brdy sollen die Abfangraketen ihre Zieldaten erhalten.

In Aserbaidschan sorgt die Nutzung des Radars durch Russland immer wieder für innenpolitischen Streit. Das Umweltministerium in Baku fürchtet zudem Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung in der Umgebung. Die Station, die noch nie mit ihrer vollen Leistung von 350 Megawatt betrieben wurde (beim Versuch, die Anlage auf 300 Megawatt hochzufahren, brannte laut globalsecurity.org 1984 ein Hektar Wald ab), verbraucht in der Stunde mindestens 300 Kubikmeter Wasser zur Kühlung. Durch die dafür gebohrten Brunnen ist der Grundwasserspiegel in der Umgebung drastisch gesunken.

Auch die USA intensivieren seit einigen Jahren ihre militärischen Beziehungen zu Aserbaidschan. Das energiereiche Land trat 1994 dem NATO-Programm "Partnerschaft für Frieden" bei.

Die USA finanzieren zwei aserbaidschanische Radarstationen, was in der Vergangenheit für Unruhe in Moskau und auch Teheran sorgte. Außerdem rüstete Washington für mehr als 100 Millionen Dollar (74,23 Millionen Euro) die Küstenwache und Marine des Landes am Kaspischen Meer auf. (bed/derStandard.at/8.6.2007)