Die US-Indizes mussten in der vergangenen Woche kräftige Abschläge verbuchen. Neuerlich aufgekommene Zinssorgen, aber auch schwache Konjunkturdaten sorgten für Gewinnmitnahmen auf breiter Front. Für weitere Verunsicherung sorgte Fed Chef Ben Bernanke. Vor dem IMF in Kapstadt warnte er davor, die Krise am US-Immobilienmarkt zu unterschätzen. Bernanke rechnet zwar nicht mit einem Übergreifen auf andere Bereiche der Wirtschaft, er geht jedoch von einer längerfristigen Schwäche aus. Auch die weiterhin vorhandene Inflationsgefahr wurde erneut unterstrichen. Mit einem Plus von 0,3% gegenüber dem Vormonat lagen die Auftragseingänge für Industriegüter deutlich unter der Prognose von 0,6%. Der ISM-Service-Index stieg hingegen überraschend stark von 56 Zählern im April auf nun 59,7 Punkte, was den höchsten Indexstand seit April 2006 bedeutet. Analysten waren im Vorfeld von einem Rückgang der Geschäftsaktivitäten im Nicht-Verarbeitenden Gewerbe ausgegangen.

Im Fokus der Wall Street stand die Übernahme des Telekomausrüsters Avaya durch die Finanzinvestoren Silver Lake Partners und TPG Capital für insgesamt USD 8 Mrd. Der auf Internet-Telefonie spezialisierte Konzern mit einem Umsatz von knapp USD 5 Mrd. galt schon seit längerem als Übernahmekandidat. Die Avaya-Aktie legt 6,2% zu. Anteilsscheine des Handheld-Produzenten Palm legten um fast 12% zu, nachdem gemeldet wurde, dass der Finanzinvestor Elevation Partners ein Viertel des Unternehmens aufkaufen werde. Um den von Medienzar Rupert Murdoch umworbenen Dow- Jones-Konzern zeichnet sich ein Bieterwettkampf ab. So bekundete auch die Philadelphia Media Holding Interesse und wolle mindestens den gleichen Preis von insgesamt USD 5 Mrd. zahlen. Die Gewerkschaftsvertreter unterstrichen erneut ihre ablehnende Haltung gegenüber Murdoch, auch die Eigentümerfamilie scheint andere Bieter zu favorisieren. Zentrales Thema ist dabei die journalistische Unabhängigkeit, die im Falle einer Übernahme durch News Corp. gefährdet wäre.

Im Technologiebereich profitierten Anteilsscheine von Apple von zahlreichen Analystenempfehlungen sowie der baldigen Einführung des I-Phones. Branchenanalysten prognostizieren einen möglichen Marktanteil von bis zu 7% des nordamerikanischen Handymarktes bis zum Jahr 2009. Zur Markteinführung am 29. Juni rechnet man mit großem Andrang seitens der Konsumenten, zumal Apple das Angebot zunächst absichtlich knapp halten möchte um den Hype zu verstärken. Google und Salesforce.com meldeten eine strategische Allianz. Die Unternehmen wollen in Zukunft gemeinsame webbasierte Applikationen anbieten.

Die gemeldeten Umsatzzahlen fielen tendenziell schwach aus. Wal Mart und Target enttäuschten bei den vergleichbaren Umsätzen, Großhändler Costco konnte die Prognosen mit einem Wachstum von 7% im Vergleich zum Vorjahrszeitraum deutlich übertreffen. In der nächsten Woche erwarten wir Quartalszahlen von Goldman Sachs und Lehman Brothers, die gute Indikationen für die weiteren Ergebnisse aus dem Finanzsektor geben dürften. Aufgrund der massiven Abschläge in der Vorwoche gehen wir weiterhin von einem volatilen Handelsgeschehen aus, wenngleich sich die Lage langsam stabilisieren sollte. Ein schneller Rebound ist aus jetziger Sicht jedoch unwahrscheinlich.