Washington - Der ehemalige US-Außenminister Colin Powell hat sich im US-Fernsehsender NBC für eine Schließung des Gefangenenlagers in Guantanamo Bay ausgesprochen. "Ginge es nach mir, würde ich das Lager nicht morgen sondern bereits heute Nachmittag schließen", sagte der frühere Minister am Sonntag. Keineswegs würde er die Inhaftierten freilassen, sondern sie in die Vereinigten Staaten überstellen und dort der Justiz übergeben.

"Vertrauen erschüttert"

"Wir brauchen das Lager nicht, und es fügt uns weit mehr Schaden zu als wir Nutzen daraus ziehen", sagte Powell. Durch das weitere Bestehen von Guantanamo und mit der Einrichtung der Militärtribunale für die Insassen hätten die USA "das Vertrauen der Welt in das amerikanische Justizwesen erschüttert", zeigt sich Powell überzeugt.

Die USA richteten das Lager in Guantanamo Bay auf Kuba wenige Monate nach den Anschlägen von 11. September 2001 im Rahmen des von Präsident George W. Bush ausgerufenen "Krieges gegen den Terrorismus" ein. Derzeit halten sie dort noch etwa 380 Personen unter Terrorverdacht als "feindliche Kämpfer" gefangen - ohne sie als Kriegsgefangene anzuerkennen und ohne richterlichen Beschluss. Die Häftlinge bekommen keine ordentlichen Gerichtsverfahren und haben meist nicht einmal Kontakt zu Anwälten. (APA/Reuters)