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Die "älteste Fischkonserve" Mitteleuropas: eine komplett erhaltene Amphore

Foto: APA/NORDICO - MUSEUM DER STADT LINZ
Linz - Wie in der Antike gegessen und getrunken wurde, das ist ab Dienstag im Stadtmuseum Nordico in Linz zu sehen. Aus dem antiken Carnuntum, aus Wels und aus Salzburg seien teils seltene Objekte zum Thema römische Küche übernommen worden, berichtete Museumsdirektor Willibald Katzinger in einer Pressekonferenz am Montag. In Kooperation mit in- und ausländischen Museen sowie mit der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien entstanden zwei Kabinettausstellungen.

Küchenutensilien

Auch die Museen von Gauting, Passau und Straubing hätten aufschlussreiche Fundstücke aus dem rätischen Anschlussgebiet beigesteuert, ergänzte Katzinger. Die erste Ausstellung gebe Auskunft darüber, was in der römischen Antike im Alpenvorland entlang der Donau gegessen wurde, wieweit damals der mediterrane Koch- und Essstil Einzug gehalten hat und was aus den einheimischen kulinarischen Traditionen der vorrömischen Zeit geworden ist, erklärte Stadtarchäologe Erwin Ruprechtsberger. So zähle unter anderem eine komplett erhaltene Amphore aus Salzburg als "älteste Fischkonserve" Mitteleuropas zu den Exponaten. Das Behältnis sei von der oberen Adria über Istrien bis in unsere Breiten gelangt, wo es in Salzburg mit den Resten seines Inhalts gefunden wurde.

"Die Romanisierung brachte Olivenöl, Wein und Fischsoßen zu uns", erläuterte Ruprechtsberger. Ein Mörserstößel mit phallusförmigem Griff und ein bronzenes Handwaschbecken zum Herumreichen bei Tisch geben Aufschluss über damalige Tischgewohnheiten. Weiters ausgestellt sind die Kerne von vier Kilogramm Obst, darunter auch aus dem römischen Linz, die damals als Kultmahl verzehrt wurden.

"Antike Kochbücher"

In der zweiten Ausstellung wird anhand von 25 Schriftzeugnissen die Ess- und Trinkkultur Ägyptens dokumentiert. Sie stammen aus dem ehemaligen Fundus der Papyrussammlung der Nationalbibliothek in Wien, erklärte Ruprechtsberger. Sie zähle mit zirka 180.000 Objekten zu den umfangreichsten der Welt. Abgelesen werden könne neben dem Verbrauch von Mehl oder dem Empfang von Sesam auch der Verbrauch von Bier. Dieses Getränk habe im Altertum Ägyptens eine wichtige Rolle gespielt. Arbeiter hätten sogar Anspruch auf eine Tagesration gehabt, so der Stadtarchäologe weiter. Zu den "weltweit exklusivsten" Stücken würden zwei von der Universität Heidelberg entliehene Schriftstücke zählen, die als "antike Kochbücher" zu betrachten seien. Hier seien Lenden-, Fleisch- und Schinkenstücke in griechischer Sprache samt Zutaten genannt. (APA)