Graz - Arno Mohl, Wasserexperte beim WWF, sieht einen folgenschweren Dammbruch auf die Natura 2000-Schutzgebiete in der Steiermark und in weiterer Folge in ganz Europa einbrechen.

Der Grund dafür ist der mögliche Bau von zwei Kraftwerken an der Schwarzen Sulm in der Südsteiermark. Beamte hatten für den Kraftwerksbau sowohl einen positiven Naturschutzbescheid als auch einen positiven Wasserrechtsbescheid erstellt. Wenn der Kraftwerksbau in einem Natura 2000-Gebiet möglich sei, dann würden auch andere Regionen dasselbe anstreben, befürchtet Mohl.

SP zeigt "vollstes Verständnis"

Bis Dienstag kann die Steiermärkische Landesregierung in der Person von Agrarlandesrat Hans Seitinger (ÖVP) Einspruch dagegen erheben. Seitinger kündigte den Einspruch am Montag auch an. Landeshauptmann Franz Voves und Umweltlandesrat Manfred Wegscheider (beide SPÖ) zeigten nach der Landesregierungssitzung am Montag auch "vollstes Verständnis" für den Protest der Umweltschützer, die unter anderem mit Paddel-Weltmeisterin Uschi Profanter und dem Naturschutzbund in der Grazer Burg gegen die Kraftwerke protestierten.

Wegscheider sagte, dass ein Einspruch aufschiebende Wirkung habe und ein letztinstanzliches Verfahren im Umweltministerium bis zu zwei Jahren dauern könne. Die Bezirkshauptmannschaft solle die Schwarze Sulm unter Schutz stellen. Landesrat Seitinger fand es unerklärlich, wie Manfred Wegscheider und die Fachabteilung dem wasserrechtlichen Bescheid zustimmen konnten. Man würde wieder Gefahr laufen, mit einer Abschlagszahlung des Landes potenziellen Betreibern ein Kraftwerksvorhaben abzukaufen. Wegscheider meinte, Amtssachverständige seien nicht weisungsgebunden. So sei auch der Bescheid entstanden.

Noch kein Naturdenkmal

Die Grünen forderten, dass "dieses kleine Paradies" und "ökologische Besonderheit von europäischer Bedeutung" nicht zerstört werden dürfe. Die Schwarze Sulm gehöre zu den letzten vier Prozent intakter Fließgewässer in Österreich, sagte Klubobfrau Ingrid Lechner Sonnek. Sie erinnerte daran, dass im Landtag auf Betreiben der Grünen schon 2004 und 2006 gefordert wurde, den Fluss zum Naturdenkmal zu erklären, Wegscheider habe erklärt, dass dies "quasi schon erledigt" sei. Passiert sei jedoch nichts, empörte sich Lechner-Sonnek. Nach Ansicht der Grünen bliebe der Kraftwerksbau nicht ohne Folgen. Die EU würde hohe Geldstrafen verhängen. (mil, DER STANDARD Printausgabe, 12.6.2007)