Mit einem

600er-Sporttourer hab ich einst die ersten Kilometer abgespult. Ich hab sie geliebt, meine Fazer. Eines Tages sprang sie aber nicht mehr an. Das lag aber nicht an einem technischen Defekt. Die Fazer wollte nach der Vermählung mit einem Renault Espace gemeinsame Wege gehen. Zum Schrotthändler. Ich konnte sie nur ziehen lassen, weil ich gerade im Krankenhaus lag.

foto: sulzbacher

Heuer

hat sich in dem Segment der 600er wieder einiges getan. Grund genug, Jugenderinnerungen aufzufrischen. Honda bringt eine komplett neue Hornet - im Bild links zu begutachten - auf den Markt und bei Yamaha hat man die Fazer in der Version S2 aufgemotzt. Aber welche ist die bessere? Das wollte ich wissen. Und werde ich wieder schrotten? Wenn ja, welche klingt dabei besser? Und in welchem Krankenhaus werde ich landen? Aber: Nix ist passiert.

foto: sulzbacher

Beide Radeln

haben ein Vier-Zylinder-Herz mit einem Hubraum von 600 ccm. Unterschiedliche Bohrungen (Fazer 65,5 x 44,5/ Hornet 67 x 42,5) und Verdichtungen (12,2:1 bei der Yamse und 12:1 bei der Honda) bringen leicht unterschiedliche Leistungsdaten. Die Yamse bringt es auf die in Deutschland versicherungsgünstigeren 98 PS (72 kW), während die Honda um vier PS mehr leistet. Beim Drehmoment spielt sich der Unterschied dann in einem Bereich ab, den ich sogar Klavier spielen kann. 63,1 Nm bei der Fazer und 63,5 Nm bei der Hornisse.

foto: sulzbacher

Auch bei den

Abmessungen sind die Differenzen nur marginal. Die Yamaha ist um fünf Millimeter länger (absolut ebenso wie beim Radstand) und zehn Millimeter breiter. Dafür ist die Sitzhöhe der Fazer mit 795 Millimeter um fünf Millimeter niedriger. Da kommert sogar Kollege Fidler mit seinen Sprudlern gescheit runter. Beide Eisen haben die gleichen Reifendimensionen, 120/70 vorne und 180/55 hinten. Vom agilen 160er-Hinterreifen, der gerade Einsteigern in Kurven half, kam Yamaha schon 2006 ab und baut jetzt wieder mehr fürs Aug.

foto: sulzbacher

Spannender

sind die merkbaren Unterschiede der beiden Motorräder. Während die Hornet nackt mit nur einem kleinen Feigenblatt um den Scheinwerfer dasteht, verfügt die Fazer S2 über eine stattliche Halbschale. Die Verkleidung der Hornet wirkt auf den ersten Blick tatsächlich wie ein kleines Dessous, das sie trägt, um nicht ganz nackt in der Öffentlichkeit zu wildern.

foto: sulzbacher

Beim Fahren

erkennt man aber, dass die kleine Maske über den Armaturen sehr gezielt Verwirbelungen des Fahrtwindes verhindert. Erstaunlich, was man mit so einem kleinen Hauberl zu Stande bringt.

foto: sulzbacher

Dass die

Verkleidung der Fazer S2 gut schützt, kann man sich vorstellen. Die Windabrisskante befand sich bei mir knapp unter dem Helm. Folglich war der Oberkörper gut geschützt und unangenehme Verwirbelungen am Helm gab es auch nicht. Nicht mitten im Fahrtwind zu sitzen ist gerade auf langen, schnellen Strecken angenehm – so man nicht über zu trocknende Achselnässe verfügt.

foto: sulzbacher

Im Test

gab es einen eindeutigen Pluspunkt für die Fazer: ABS. Die Test-Hornet verfügte über das hondatypische CBS (Combined Braking System). Natürlich gibt es sie aber auch mit ABS. Und dann mit einem ganz besonderen: CBS und ABS ergeben bei Honda ein kombiniertes ABS. Die Fazer S2 ABS bringt es trocken auf 191 kg, während die Hornette mit ABS 177 kg auf die Waage drücken würde. Die Verzögerung ließ auf beiden Geräten keine Wünsche offen. Leicht zu dosieren und recht bissig, ohne gefährlich scharf zu sein.

foto: sulzbacher

Beim Auspuff

gehen beide Hersteller vollkommen unterschiedliche Wege. Yamaha verbaut eine 4-2-1-Anlage, die unter dem Begriff "Sitzheizung" und für ihre feine Optik bekannt ist. Schaut auch wirklich extrem edel aus. Der Sound der Yamaha erinnert mich aber ein wenig an den Staubsauger, den ich seit Jahren besitze. Flüstertüte wäre eine treffende Definition für die Auspuffanlage.

foto: sulzbacher

Erst

bei hohen Drehzahlen fängt die Yamaha zu klingen an. Das hat aber auch einen entscheidenden Vorteil: In Ortschaften reißt man nächtens wirklich niemandem aus dem Schlaf, wenn man mit der Yamaha halbwegs vernünftig unterwegs ist.

foto: sulzbacher

Ganz anders

verhält sich das bei der Hornisse. Der Auspuff ist extrem kurz und befindet sich rechts unter dem Motor. Nur ein kleiner Teil schlängelt sich in Richtung Fußraste. Das ist für unsere Augen ein wenig ungewöhnlich, bietet aber den Vorteil, dass die Hornisse die Massen tief unten beim Motor sammelt.

foto: sulzbacher

Das bringt

einen niedrigen Schwerpunkt und unterstützt das Handling. Der Sound der Hornisse? Gewaltig. Da schaut man zwei Mal in die Papiere, ob das wirklich eine 600er ist, die da dröhnt.

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Beim Fahrwerk

leisten sich beide Hersteller keine Schwächen. Dennoch unterscheiden sich beide Motorräder. Die Honda ist härter, die Yamaha komfortabler. Und dies wird wohl auch das entscheidende Kriterium bei der Kaufentscheidung sein.

foto: sulzbacher

Die Fazer S2 ABS

ist die Allroundkünstlerin. Zwar sportlich, macht aber besonders viel Spaß, wenn es übers Wochenende auf Tour geht. Dabei ist ihr egal, ob sie über Bergstraßen oder die Autobahn gefahren wird.

foto: sulzbacher

Eine Tour

mit der Honda? Kein Problem. Aber die Sportgene der Hornet wollen genutzt werden. Die freut sich schon, wenn sie hin und wieder eine Rennstrecke sieht. Je enger die Serpentinen, desto Yamaha. Je schneller die Strecke, desto Honda. (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Martin Sulzbacher, derStandard.at, 14.6.2007)

Guido Gluschitsch ist Redakteur beim MotorradMagazin.

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Honda Hornet 600
Preis: EUR 8.490,-
Aufpreis ABS: EUR 750,-
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder Viertakt-Reihenmotor, DOHC, 16 Ventile, geregelter Katalysator. Hubraum 599 cm³, Leistung 75 kW (102 PS) bei 12000/min, 63,5 Nm bei 9500/min. E-Starter. Antrieb: 6-Gang, Kette. Fahrwerk: 41 mm Teleskopgabel, Einarmschwinge hinten. Bremsen: Zwei Scheiben vorne, eine hinten. ABS. Trockengewicht: 173 kg, Sitzhöhe: 800 mm. Tank 19 l.

Yamaha FZ6 Fazer S2 ABS
Preis: EUR 9.495,-
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder Viertakt-Reihenmotor, DOHC, 16 Ventile, geregelter Katalysator. Hubraum 600 cm³, Leistung 72 kW (98 PS) bei 12000/min, 63,1 Nm bei 10000/min. E-Starter. Antrieb: 6-Gang, Kette. Fahrwerk: 43 mm Teleskopgabel, Zentralfederbein hinten. Bremsen: Zwei Scheiben vorne, eine hinten. ABS. Trockengewicht: 191 kg, Sitzhöhe: 795 mm. Tank 19,4 l.

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