"Mitten im Achten" müsse "klarer Segmentführer" sein, definierte ORF-Chef Alexander Wrabetz zuletzt die Existenzberechtigung der ORF-Sitcom. In den vergangenen Tagen tat sich "MiA" damit aber mitunter schwer. Am Montag kam das ORF-Sorgenkind zwar wieder einmal auf über 100.000 Zuseher (103.000 bei fünf Prozent Marktanteil) - die RTL-Soap "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" überholte das österreichische Produkt allerdings mit 109.000 Fans.

Ähnlich die Situation in der Vorwoche: Am Mittwoch erreichte "MiA" 81.000 Zuseher - "GZSZ" versammelte 103.000 österreichische Seher. Am Freitag lagen beide Serien mit 82.000 Zuschauern gleichauf. "Mitten im Achten" kommt auch nach den ersten am Format erfolgten und am Schirm sichtbaren Optimierungen nicht vom Fleck. In der Medienbranche wird bereits über die baldige Einstellung des Formats spekuliert.

Marktanteil sollte zweistellig sein"

Für Christoph Pellander, Sendungsverantwortlicher der ARD-Soap "Marienhof", liegt "Mitten im Achten" punkto Quoten unterhalb jeder Schmerzgrenze - auch für einen öffentlich-rechtlichen Sender. "Der Marktanteil sollte mindestens zweistellig sein, damit sich eine Serie lohnt", sagte er der APA. Bei Privatsendern sei der Quotendruck noch stärker, wie sich am Beispiel "Ahornallee" gezeigt habe. Die am 16. April gestartete RTL-Soap wurde nach sechs Wochen, in denen sie sich nicht deutlich im zweistelligen Bereich etablieren konnte, wieder aus dem Programm gestrichen.

Verständnis hat Pellander dafür, dass eine Soap im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das weitaus weniger aggressive Werbung betreibt als die Privat-Konkurrenz, Zeit braucht, um die erwünschte Quotenflughöhe zu erreichen. Die Serie "Marienhof" ist seit mehr als zwölf Jahren im ARD-Vorabend um 18.20 Uhr zu sehen. Bevor sie sich zur ersten Daily Soap im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Deutschlands entwickelte, wurde "Marienhof" zunächst zwei Mal wöchentlich ausgestrahlt. Eine Testphase, die "Mitten im Achten" unter Umständen auch gut getan hätte, meint Pellander.

Strobl: Entscheidung eher früher als später

Derzeit erzielt "Marienhof" in Deutschland konstant zwischen zehn und 14 Prozent Marktanteil. Von derartigen Zahlen scheint "MiA" jedenfalls meilenweit entfernt. Spekulationen, wonach die Produktion neuer Folgen noch vor dem Sommer gestoppt werden könnte, will man im ORF nicht kommentieren. Während es vor einem Monat noch hieß, über die Zukunft der Serie werde im Herbst entschieden, ließ ORF-Kommunikationschef Pius Strobl jetzt wissen: "Die Geschäftsführung wird eine kluge Entscheidung treffen, die eher bald als zu spät fallen wird."

Die Alternativen

Stoppt der ORF "Mitten im Achten" wie erwartet, dann wird es zu eng, es gleich mit einer eigenproduzierten Serie noch einmal zu versuchen, wie ORF-General Alexander Wrabetz das vorhat. Er würde einer weiteren, eigenproduzierten Fictionserie wohl zur Vorbereitung zumindest ein Jahr einräumen müssen.

Nach einem Ende von "Mitten im Achten" würde die Anstalt wohl zunächst auf Kaufserien für den Sendeplatz zurückgreifen. Gewagtere Alternative: Der ORF könnte auf dem quotentechnisch ohnehin gerade zerstörten Sendeplatz auch mit Gameshows oder Dokusoaps experimentieren. (APA, fid)