Frühes Kondom zum Schutz vor Geschlechtskrankheiten (um 1813): Die handschriftliche Gebrauchsanweisung zu diesem Kondom aus Tierdärmen aus dem Jahr 1813 rät, es zuerst in warmer Milch zu tränken und es gegen Geschlechtskrankheiten zu verwenden.
Foto: Museum für Urgeschichte
Die berühmte Venus von Willendorf: Schwere Brüste, wohlgenährt und eine ausgeprägte Vulva
Foto: Museum für Urgeschichte
Asparn/Zaya - Seit 15. Juni geht die Sonderschau des Museum für Urgeschichte "100.000 Jahre Sex - Die Kulturgeschichte der Sexualität" der "schönsten Nebensache" der Welt auf den Grund. Üppige Venusstatuetten und "Reizwäsche" aus der Bronzezeit, "standhafte" römische Glücksbringer, das älteste Kondom der Welt, Keuschheitsgürtel und fliegende Phalli erzählen die wechselvolle Geschichte von Liebe, Fruchtbarkeit und Erotik: Von der Dominanz weiblicher Fruchtbarkeitssymbolik in der Steinzeit über römische Fruchtbarkeitsopfer bis hin zur viktorianischen Prüderie.

Sex im Wandel der Zeit: Vom Matriachat zur Dominanz der Phalli

In verschiedenen Epochen setzte man sich mit Sexualität auf unterschiedliche Weise auseinander. Vom Matriarchat der Steinzeit (Venusstatuetten und Felsbilder weiblicher Genitalien) über scheinbare Offenheit gegenüber Sex in der Antike (Sexdarstellungen auf Tongefässen, Bordellmünzen mit Sexszenen) und der Dominanz phallischer Darstellungen ("standhafte" römische Glücksbringer und fliegende Penisse) bis hin zur Neuzeit (die ältesten Kondome der Welt) und den Peepshows des 19. Jahrhunderts. Die Ausstellung zeigt eine scheinbar bekannte, teils vertraute und doch oft völlig fremde Welt.

Die Exponate: Überraschende Einblicke in die Sex-Kultur

Zu sehen sind großteils Originalobjekte: Archäologisch wertvolle Figuren mit überdimensionalen Geschlechtsteilen, üppige Venusstatuen, vermeintliche Reizwäsche aus der Bronzezeit, "standhafte" römische Glücksbringer, das älteste Kondom der Welt (es musste in Milch getränkt werden) und frivole Trinkgefäße. Auch der berühmte Keuschheitsgürtel und antike Wandmalereien fehlen nicht. Sie alle zeigen den Bedeutungswandel, den das Thema Sexualität im Laufe der Epochen durchzumachen hatte.

"Um diese Objekten richtig zu verstehen, ist es wichtig, den kulturellen Hintergrund mitzudenken", merkt Ernst Lauermann, Direktor Museum für Urgeschichte, an. So sei die keltische Holzstatue, die sich an den entblößten Penis greift, nichts anderes als eine Opfergabe mit der Bitte um Fruchtbarkeit". Ähnlich dürfte es auch bei scheinbar "eindeutigen" Darstellungen der alten Griechinnen, Griechen, Römerinnen und Römer sein. Die Bilder dieser Ausstellung sind nicht immer "wörtlich" zu nehmen. Scheinbar obszöne Objekte bekommen im gesellschaftlichen Kontext ihrer Zeit eine neue Dimension und erweitern den Blickwinkel der BetrachterInnen. (red)