London - Der frühere Spitzendiplomat der Vereinten Nationen in Israel, Alvaro de Soto, hat die Rolle der USA im Nahost-Konflikt kritisiert. Mit ihrer Unterstützung Israels hätten die Vereinigten Staaten die Bemühungen um einen Frieden in der Region behindert, zitierte die britische Zeitung "The Guardian" am Mittwoch aus dem Abschlussbericht des Diplomaten über seine Mission.

So hätten die USA das Einfrieren palästinensischer Steuereinnahmen durch Israel unterstützt. Das so genannte Nahost-Quartett aus den USA, der UNO, der EU und Russland habe sich dazu nicht mehr äußern können, "da die US-Vertreter uns einschüchterten".

"Unparteilichkeit verloren"

Auf diese Weise habe das Quartett als ganzes seine Unparteilichkeit verloren, da die Regierung in Washington einen Transfer des Geldes an die palästinensische Autonomiebehörde abgelehnt habe, klagte Soto den Angaben zufolge. Gleichzeitig kritisierte der aus Peru stammende UNO-Diplomat auch andere Staaten. Der Boykott westlicher Länder gegen die Hamas-geführte Regierung in den palästinensischen Gebieten sei "bestenfalls extrem kurzsichtig" und habe "verheerende Konsequenzen" für das palästinensische Volk.

Weiter klagte de Soto, auch die Vereinten Nationen orientierten sich zu stark an den USA und an Israel: "Es gibt offenbar in jeder Situation, in der die UNO Position beziehen muss, einen Reflex, zunächst danach zu fragen, wie Israel oder Washington reagieren, anstatt nach der richtigen Position zu fragen", schrieb de Soto. Auch die Palästinenser kritisierte der UNO-Diplomat. Ihre Versuche, die Gewalt zu stoppen, seien absolut nicht ausreichend. (APA)