New York - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat dem Libanon Menschenrechtsverstöße im Zusammenhang mit den Kämpfen um die palästinensische Flüchtlingssiedlung Nahr al-Bared vorgeworfen. Die Armee habe Zivilisten, die aus dem Lager geflohen seien, willkürlich behandelt, sagte HRW-Sprecherin Sarah Leah Whitson am Dienstag (Ortszeit) in New York. Flüchtlinge seien bei Befragungen durch die Streitkräfte zu den im Lager verschanzten Kämpfern der islamistischen Gruppe Fatah al-Islam misshandelt worden.

Die Misshandlungen seien offenbar "auf der Basis der palästinensischen Identität" der Opfer geschehen, fügte die Organisation in einer Erklärung hinzu. HRW zitierte mehrere Palästinenser, die ihre Erlebnisse mit Soldaten der libanesischen Armee und Geheimdienstmitarbeitern schilderten. Ein 21-jähriger Bewohner von Nahr al-Bared habe ausgesagt, er sei während eines viertägigen Verhöres geschlagen worden.

Furcht vor Misshandlungen

In einem anderen Fall seien drei Palästinenser von libanesischen Geheimdienstbeamten getreten sowie mit den Händen und Gewehren geschlagen worden. Diese Situation könne dazu führen, dass Bewohner der Flüchtlingssiedlung, die vor den Gefechten fliehen wollten, dies aus Furcht vor Misshandlung nicht täten, warnte Human Rights Watch.

Die libanesische Armee umstellte Nahr al-Bared im Nordlibanon am 20. Mai und versucht seitdem, die dort verschanzten Kämpfer der Fatah al-Islam auszuschalten. Von ursprünglich 31.000 palästinensischen Flüchtlingen leben derzeit noch etwa 3.000 Zivilisten unter schwierigsten Bedingungen dort. Bisher starben 128 Menschen, unter ihnen 61 libanesische Soldaten und 50 Islamisten. (APA)