Bagdad - Die am Mittwoch bei einem Anschlag erneut schwer beschädigte Goldene Moschee von Samarra nördlich von Bagdad ist eines der vier wichtigsten schiitischen Heiligtümer im Irak. Die anderen befinden sich in den Pilgerstädten Najaf und Kerbala und im Bagdader Stadtviertel Kadhimiya. Bei dem Attentat wurden die beiden Minarette der Moschee zerstört.

Sterbliche Überreste

In dem Schrein befinden sich die sterblichen Überreste von zwei der zwölf von den Schiiten als rechtmäßig anerkannten Imame: Ali al-Hadi, der 868 starb, und sein Sohn, der elfte Imam Hassan al-Askari, der 874 starb. Imame werden bei den Schiiten die rechtmäßigen Nachfolger des Propheten Mohammed genannt, von denen nach schiitischer Ansicht Mohammeds Schwiegersohn Ali der erste war.

Nach schiitischem Glauben wurde der zwölfte, "verborgene" Imam Muhammad al-Mahdi 878 von einem Keller des Gebäudes aus entrückt. Er soll vor dem Jüngsten Tag, dem Tag des Gerichts, zurückkehren, um einer Welt voller Unterdrückung Gerechtigkeit zu bringen.

Goldenen Kuppel zerstört

Im Oktober 2004 hatten irakische Sondereinheiten die Moschee von schiitischen Aufständischen zurückerobert.

Am 22. Februar 2006 zerstörten sunnitische Extremisten mit einem Sprengstoffanschlag die goldene Kuppel des Schreins. In den Tagen darauf eskalierte die Gewalt zwischen den Religionsgruppen der Schiiten und Sunniten.

Die Kuppel der Moschee von Samarra wurde im Jahr 1905 fertig gestellt und mit 72.000 goldenen Platten verkleidet. Sie hatte einen Durchmesser von rund 20 Metern bei einem Umfang von 68 Metern. Damit war die Moschee einer der größten Kuppelbauten in der islamischen Welt. Sie war bis zum heutigen Mittwoch von zwei Minaretten flankiert worden, die eine Höhe von 36 Metern hatten. (APA/Reuters)