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Ehud Barak (zweiter von links) nach der Befreiung der Geiseln aus einer entführten Sabena-Maschine.

Foto: Reuters/IDF
Jerusalem - Ehud Baraks nur knapp zweijährige Amtszeit als israelischer Premier war vom Beginn der zweiten palästinensischen Intifada im Herbst 2000 geprägt. Wenige Monate später erlitt der hoch dekorierte Ex-General eine verheerende Wahlniederlage gegen den Konservativen Ariel Scaron. Nun kehrt der mittlerweile 65 Jahre alte Ex-Generalstabschef wieder als Vorsitzender der Arbeitspartei (Avoda/Arbeiterpartei) in die erste Reihe der israelischen Politik zurück.

Barak wurde am 12. Februar 1942 geboren und trat mit 17 Jahren in die Armee (Tsahal) ein. Mehrfach leitete er geheime Kommandounternehmen. Im Mai 1972 führte er eine Eliteeinheit, die ein nach Tel Aviv entführtes belgisches Sabena-Flugzeug stürmte. Als Frau verkleidet, war er bei einer Kommandoaktion in Beirut an der Aufspürung und Tötung von Palästinensern beteiligt, die in den Anschlag auf israelische Sportler bei den Olympischen Spielen 1972 in München verwickelt waren. 1976 leitete er von Nairobi aus die legendäre Geiselbefreiung von Entebbe in Uganda.

Auch im Sechs-Tage-Krieg von 1967 und im Yom-Kippur-Krieg von 1973 zeichnete sich Ehud Barak aus und wurde der höchstdekorierte Offizier des Landes. Nebenbei studierte er Mathematik und Physik in Jerusalem und machte in Stanford (USA) einen Abschluss in System-Management. 1991 rückte er an die Spitze des Generalstabes, vier Jahre später beendete er seine militärische Karriere und trat wenig später in die sozialdemokratische Arbeitspartei ein, deren Chef Premier Yitzhak Rabin 1995 ermordet wurde.

Nach seiner Ernennung zum Innen- und später zum Außenminister wurde Barak 1996 zum ersten Mal zum Avoda-Parteivorsitzenden gewählt, nachdem die Rechte unter Benjamin Netanyahu die Regierung übernommen hatte. 1999 siegte er gegen Netanyahu und wurde Ministerpräsident. Nach dem Vorbild Rabins übernahm er auch das Amt des Verteidigungsministers. Doch Barak hielt sich nicht einmal zwei Jahre an der Spitze der Regierung. Er geriet ins Kreuzfeuer der Kritik, weil er im Sommer 2000 die israelischen Truppen aus dem Süden des Libanon abzog und Palästinensern und Syrern Zugeständnisse anbot. Kritik von Freund und Feind musste er auch wegen seines Regierungsstils einstecken, Barak galt als überheblich und hochmütig.

Das politische Comeback des Gescheiterten kommt für viele überraschend. "Wenn er zurückkommt, kann es jeder", hieß es am Mittwoch in einem Kommentar der Tageszeitung "Maariv". Als voraussichtlich neuer Verteidigungsminister kann Barak, der in den vergangenen Jahren als Wirtschaftsberater sowie mit Vorlesungen in den USA ein Millionenvermögen angehäuft haben soll, auf seine militärische Erfahrung bauen. In Israel, wo das Thema Sicherheit eine zentrale Rolle spielt, gilt das Amt des Verteidigungsministers als mögliches Sprungbrett an die Spitze der Regierung. Barak könnte also selbst das noch einmal schaffen. (AP)