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Linz/Passau - 20 Waldrappe aus dem Zoo Schönbrunn in Wien lernen diesen Sommer in Deutschland was fürs Leben: Nachdem es Forschern der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Oberösterreich gelungen ist, vom Aussterben bedrohte Waldrappe wieder anzusiedeln und ihnen die Zugvogelroute ihrer Vorfahren neu beizubringen, starten sie nun in Burghausen in Bayern ein ähnliches Projekt. Bei einer Pressekonferenz in Burghausen am Mittwoch wurden Details präsentiert.

Waldrappe zählen zu den am meisten bedrohten Vogelarten der Erde. Es gibt nur noch 300 Exemplare in Marokko sowie weniger als zehn in Syrien. Ende der neunziger Jahre begannen Wissenschaftler, in Zoos nachgezüchtete Tiere im oberösterreichischen Almtal wieder anzusiedeln. 2004 zeigten sie ihren Schützlingen, was es heißt, ein Zugvogel zu sein: Angeführt von ihren menschlichen "Zieheltern", die in einem Leichtflugzeug saßen, flogen die Waldrappe in ihr Winterquartier nach Italien. Heuer haben die ersten Tiere ihren Weg zurück gefunden und "zu Hause" in Scharnstein sogar gebrütet.

Das Projekt

In Bayern startet das Waldrapp-Team unter der Leitung von Johannes Fritz nun ein weiteres Migrationsprojekt. Unterstützt wird es dabei vom Bund Naturschutz Bayern, von der Stadt Burghausen und der Heinz-Sielmann-Stiftung. Seit Mai werden im Zoo Schönbrunn in Wien 20 Waldrappe von Hand aufgezogen, demnächst übersiedeln sie nach Burghausen. Anfang Juli beginnen die jungen Waldrappe mit ihrem Flugtraining, Mitte August sollen sie in die Toskana aufbrechen. Angeführt werden die auszubildenden Zugvögel von einem 50 Quadratmeter großen Paraschirm.

2008 will man in Burghausen weitere 20 Jungtiere auf die Reise schicken. Die Rückkehr der ersten Waldrappe wird für August 2010 erwartet, ein Jahr später - so hoffen die Wissenschaftler - sollen beide Generationen wieder nach Bayern zurückkommen und dort brüten. Damit wäre das Wiederansiedlungs- und Migrationsprojekt abgeschlossen.

"Flagship-Art"

Der Waldrapp (Geronticus eremita) zählt zur Familie der Ibisse. Bis ins 16. Jahrhundert war er fixer Bestandteil der mitteleuropäischen Fauna. Bejagung und - in neuerer Zeit - die Intensivierung der Landwirtschaft brachten ihn aber in arge Bedrängnis. Der Kulturfolger reagiert sehr sensibel auf Veränderungen seines Lebensraumes und auf den Zustand des Bodens. Für die Wissenschaft stellt er daher eine "Flagship-Art" für den ökologischen Status heimischer Kulturflächen dar. (APA)