Andreas Unterberger, Chefredakteur der "Wiener Zeitung", befindet sich derzeit in der Schusslinie von SPÖ und Grünen. Teile der SPÖ fordern offen die Ablöse Unterbergers. Die Grünen wollen in einer parlamentarischen Anfrage an Bundeskanzler Alfred Gusenbauer wissen, "welche Schritte" dieser gegen Unterberger zu unternehmen gedenke. Der Dienstvertrag des redaktionellen Leiters des offiziellen Republiksorgans wurde dem Wochenmagazin "News" zugespielt. Rückendeckung bekommt Unterberger nun aus den Reihen von ÖVP, FPÖ und BZÖ. Dort spricht man von einer Hetzjagd und sieht die Pressefreiheit in Gefahr.

"Es ist Jagdsaison, und die Hatz auf Chefredakteur Andreas Unterberger ist eröffnet", meinte etwa ÖVP-Mediensprecher Franz Morak am Donnerstag in einer Aussendung. "Wenn Verträge in Zeitungen veröffentlicht werden, gilt offenbar kein Datenschutz. Hier geht es ganz offensichtlich um ein konzertiertes Mobbing gegen einen profilierten Publizisten ohne Rücksicht auf Meinungs- und Pressefreiheit. Wir sind Zeugen einer beginnenden Kampagne gegen einen anerkannten Journalisten, deren Ziel bereits jetzt absehbar ist: Das Ausschalten eines Unbequemen", so Morak.

"Perfidie"

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky sprach von "Perfidie" und einer "niederträchtigen Kampagne". Offenbar wäre es SPÖ und Grünen am liebsten, wenn die Zensur wieder eingeführt würde. Ähnlich die Einschätzung im BZÖ: "Es ist unfassbar, mit welchen Mitteln der Verleumdung und gezielten Kreditschädigung sowohl SPÖ als auch die Grünen versuchen, einen Journalisten auf das Unmenschlichste zu ruinieren und weg zu mobben", so BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz. Nachdem die SPÖ ihre "Säuberungsaktion im ORF" offenbar "erfolgreich abgeschlossen" habe, dürfte sie sich jetzt "unter Zuhilfenahme einiger Erfüllungsgehilfen der Grünen die Printmedien vornehmen", so die Sicht des BZÖ, das bei der ORF-Wahl noch gemeinsame Sache mit der SPÖ gemacht hatte.

Unterberger wurde noch unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) als Chefredakteur für die "Wiener Zeitung" engagiert. In der inzwischen zur Kanzlerpartei avancierten SPÖ ist der konservative und wirtschaftsliberale Journalist höchst umstritten. Kritik gab es etwa an verschiedenen Gastkommentaren bzw. -beiträgen des Blattes. Unterberger selbst zeigte sich zuletzt "fassungslos" über das "Mobbing" gegen ihn. "Man will mich als Nehmer und Faschisten diskreditieren", sagte er der APA.

Im Bundeskanzleramt ist man indes um Beschwichtigung bemüht. Die Sichtweise, wonach man den Chefredakteur der "Wiener Zeitung" loswerden wolle, wurde bereits zurückgewiesen. Auch mit der Veröffentlichung des Dienstvertrags Unterbergers habe das Kanzleramt nichts zu tun, hieß es dort. Die Grünen werfen Unterberger in einer parlamentarischen Anfrage die "grobe Vernachlässigung" der journalistischen Sorgfaltspflicht vor. Vom SP-Kanzler als Quasi-Herausgeber der "Wiener Zeitung" fordern sie entsprechende Schritte gegen den Chefredakteur. (APA)