Für den Niedergang der Deutschen Telekom-Aktie am amerikanischen Markt muss nicht nur die Deutsche Telekom selbst, sondern auch die Bundesrepublik Deutschland als Großaktionär haften. Das entschied das Bonner Landgericht in einem Grundurteil (AZ: LG Bonn 1O 552/05), wie das Gericht am Donnerstag bekanntgab. Der Bonner Konzern hatte den deutschen Bund (Finanzministerium) sowie die KfW (Frankfurt) auf Zahlung von rund 112 Mio. Euro verklagt. Die Bundesrepublik kann das Urteil noch anfechten.

Im Jahr 2000 war die Deutsche Telekom an die US-Börse gegangen. Zu diesem Zeitpunkt stand die T-Aktie bei 66,50 Euro. In der Folge fiel sie rapide bis auf rund 10 Euro. Amerikanische Aktionäre strengten eine Sammelklage an und verlangten vom Bonner Unternehmen insgesamt 400 Mio. US-Dollar Schadenersatz. Der Vorwurf: Der Verkaufsprospekt, mit der sich T-Aktie auf dem US-Markt vorgestellt hatte, werbe mit falschen Zahlen. Grundstücke des Unternehmens seien zu günstig bewertet worden.

Während in Deutschland wegen dieses strittigen Vorwurfs noch Klagen anhängig sind, hat die Deutsche Telekom in Amerika wegen des großen Prozessrisikos einen Vergleich geschlossen: 95 Mio. Euro plus 17 Mio. Euro Anwaltskosten wurden gezahlt. Der Bonner Konzern aber will die Summe erstattet haben. Die Deutsche Telekom habe auch im Auftrag des Bundes gehandelt, als sie auf den amerikanischen Aktienmarkt gegangen sei. Der deutsche Bund habe bei der Ausgabe der dritten Tranche (nach 1996 und 1999) im Jahr 2000 immerhin einen Gewinn von 13 Mrd. Euro gemacht.

Weil die Deutsche Telekom gegenüber den amerikanischen Anlegern allein die Verantwortung übernommen habe, habe sie auch eine Leistung für die Großaktionäre erbracht, urteilten die Bonner Richter. Und diese Leistung müsse - wie bei einer Bankbürgschaft auch - erstattet werden. Über die tatsächliche Höhe soll erst nach Rechtskraft dieses Urteils entschieden werden.(APA/dpa)