
Und die globale Erwärmung könnte bald zu ihrem vollständigen Verschwinden führen, wie der holländische Biologe Roelof Hut von der Universität Groningen erläutert: "In Wien wird viel Forschung über Ziesel betrieben, wir untersuchen an der Uni Wien die energetischen Grundlagen ihres Winterschlafs." Die Körpermasse des Ziesels durchläuft einen Jahreszyklus: Im Sommer wird Fett eingelagert, das den Tieren ermöglicht, den Winter zu überleben.
Ob und in welchem Zustand ein Ziesel im Frühjahr seinen Bau verlässt, hängt nicht zuletzt von den Temperaturen im Winter ab. Hut: "Bei null Grad Celsius ist die Energiebilanz optimal. Da verbrauchen die Tiere am wenigsten." Ist es kälter, steigt der Energiebedarf. "Interessant ist, dass auch bei höheren Temperaturen mehr Energie verbraucht wird", erklärt Hut. Ein "milder" Winter wie etwa der heurige, bei dem es im Jänner nachts Außentemperaturen bis acht Grad Celsius gab, schadet den Zieseln.
"Bei wärmeren Temperaturen erhöht sich die Zahl der Erwärmungsphasen, die Ziesel regelmäßig während des Winterschlafs durchleben", erläutert Roelof Hut, das koste noch zusätzlich Energie. Ziesel erhöhen während des Winterschlafs ihre Körpertemperatur rund alle zehn Tage für zehn bis 16 Stunden auf 36 Grad. Hut: "Sie tun das primär, um Alzheimer und ähnliche Gehirnschäden zu vermeiden." Es kostet Ziesel also mehr Energie, einen wärmeren Winter gesund zu überleben.
Ziesel sind an ihre Lebensräume gebunden. Sie können für den Winterschlaf nicht in kältere Regionen ausweichen. Hut: "Das ist in Österreich unmöglich, weil eine Migration durch das dichte Straßennetz zum Scheitern verurteilt wäre." Forscher wissen nicht, ob die ökologisch isolierten, kleinen Populationen noch genügend genetische Variationen aufweisen, um ihre Winterschlafstrategie zu ändern.