Paris - Die Anzahl der Frauen in der französischen Nationalversammlung hat nach den Parlamentswahlen vom Sonntag deutlich zugenommen. In der abgelaufenen Legislaturperiode waren 71 Frauen im Parlament vertreten, nun sind es 107, von denen 61 dem linken politischen Lager angehören. Dies entspricht einem Anteil von 18,5 Prozent der insgesamt 577 Mandate.

Die meisten Frauen zählt die Sozialistische Partei mit 48 Frauen unter ihren 185 Abgeordneten. Dazu kommen fünf unabhängige Linkskandidatinnen, vier Radikalsozialistinnen (PRG), drei Kommunistinnen (PCF) und eine Grüne.

Die größte Regierungspartei Union für eine Volksbewegung (UMP) zählt 45 Frauen unter ihren 314 Abgeordneten. Die rechtskonservative Partei "Mouvement pour la France" (MPF) brachte eine Abgeordnete ins Parlament. Die Zentrumsparteien "Mouvement Democrate" (MoDem) und "Nouveau Centre" sind nicht mit weiblichen Abgeordneten im Palais Bourbon vertreten.

Die Zahl der Parlamentarierinnen hat in den vergangenen Jahren in Frankreich stetig zugenommen. 1995 waren es noch 35 gewesen, 1997 bereits 69 und im Jahr 2002 71. Im ersten Durchgang der jüngsten Parlamentswahlen waren von den 110 Kandidaten, die sofort den Sprung in die Nationalversammlung schafften, zwölf Frauen. Von den 7.640 Kandidaten, die für die 577 Sitze ins Rennen gegangen waren, waren 41,6 Prozent weiblich. Bei der Stichwahl waren von den 933 Kandidaten ein Drittel Frauen.

Gesetz der Sozialisten

Der höhere Frauenanteil ist auf ein Gesetz der Sozialisten aus dem Jahr 2000 zurück zu führen, das Chancengleichheit zwischen weiblichen und männlichen Kandidaten vorsieht. Dennoch haben nur die Sozialisten und Kommunisten gleich viele Frauen wie Männer ins Rennen geschickt. Bei der UMP stellten die Frauen nur 30 Prozent der Kandidaten.

Nach den jüngsten Wahlen kann Frankreich seine Position in der weltweiten Rangliste der weiblichen Parlamentsvertretung, die Ende Mai von der "Inter-Parliamentary Union" erstellt wurde, etwas aufbessern. Nach den Wahlen von 2002 befand sich Frankreich mit einer Frauenrate von 12,2 Prozent ex aequo mit Slowenien und den Bahamas an 86. Stelle. Im Vergleich dazu liegt Österreich nach den Wahlen vom Oktober 2006 mit 32,2 Prozent an 13. Stelle. In Führung befindet sich Ruanda mit 48,8 Prozent Frauenanteil, gefolgt von Schweden mit 47,3 Prozent. Deutschland liegt mit 31,6 Prozent an 15. Stelle. (APA)