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Flüchtlingskommissar Antonio Guterres (rechts) in einem Flüchtlingslager in Darfur. Ende 2006 waren, so der UNHCR-Jahresbericht, fast zehn Millionen Menschen auf der Flucht, das sind 14 Prozent mehr als 2005.

Foto: AP Photo/Nasser Nasser
Hamburg - Wenn sich der Klimawandel ungebremst fortsetzt, werden in den nächsten 30 Jahren weltweit rund 200 Millionen Menschen flüchten müssen. Das ist das Ergebnis einer von der Umweltschutzorganisation Greenpeace am Dienstag in Hamburg vorgestellten Studie.

Wegen der globalen Klimaerwärmung verschlechtern sich demnach die Lebensbedingungen für Millionen Menschen besonders in den ärmsten Ländern der Welt so dramatisch, dass sie gezwungen sein werden, ihre Heimat zu verlassen.

Zahl der Flüchtlinge gestiegen

Weltweit befinden sich rund 40 Millionen Menschen aus politischen Gründen oder wegen Gewalt auf der Flucht. Die am Dienstag, einen Tag vor dem Weltflüchtlingstag, vorgestellte Jahresstatistik des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) beziffert die Zahl der Flüchtlinge - jene Menschen, die sich außerhalb ihres eigenen Landes befinden - mit 9,9 Millionen. Hinzu kommen noch 4,3 Millionen palästinensische Flüchtlinge sowie Vertriebene innerhalb eines Landes. Zu diesen Internally Displaced Persons (IDP) gibt es nur Schätzungen, wie jene des Norwegischen Flüchtlingsrates (Norwegian Refugee Council/NRC), der von 24,5 Millionen Menschen spricht.

Der Anstieg der Flüchtlingszahlen um 14 Prozent gegenüber 2005 sei vor allem auf die Situation im Irak zurückzuführen. Demnach sahen sich bis Ende 2006 rund 1,5 Millionen Iraker gezwungen, in anderen Ländern Zuflucht zu suchen. "Die Situation im Irak und den Nachbarländern macht uns große Sorgen. Noch immer werden täglich über 2000 Männer, Frauen und Kinder vertrieben" sagte Roland Schönbauer, Sprecher von UNHCR in Österreich, gegenüber der APA. Die UN-Organisation unterstützt vor allem Syrien und Jordanien in der Betreuung der Flüchtlinge, insbesondere im Bereich der Gesundheitsfürsorge und Schulbildung, "damit nicht eine ganze Generation verloren geht," so Schönbauer.

Zwei Millionen Afghanen leben im Ausland

Die größte Gruppe von Flüchtlingen, die noch immer im Ausland leben, kommt mit 2,1 Millionen aus Afghanistan. Rund 686.000 Flüchtlinge kamen aus dem Sudan, 460.000 aus Somalia und je 400.000 aus der Demokratischen Republik Kongo und aus Burundi. Von den palästinensischen Flüchtlingen befinden sich laut dem UN-Palästinenser-Hilfswerk (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East/UNRWA) 1,8 Millionen in Jordanien.

Nach Schätzungen des NRC leben allein in 21 afrikanischen Ländern 11,8 Millionen Binnenflüchtlinge, fünf Millionen davon im Sudan. Hier sei ein Ende der Gewalt unbedingt notwendig, um eine Stabilisierung der Situation zu erreichen, meinte Schönbauer.

Auch die Situation in Kolumbien gibt Anlass zur Sorge. Etwa 3,8 Millionen Menschen sollen laut NRC innerhalb des südamerikanischen Landes vertrieben worden sein. Neben marodierenden Banden und paramilitärischen Gruppierungen, durch die es zu Vertreibungen kommt, gehe es oft auch "um strategisch wichtige Gegenden, wie etwa den Zugang zum Meer, welcher etwa für Drogenhändler interessant sei. Durch die Vertreibungen und Entwurzelungen in dem an indigenen Völkern reichen Land könnten schon bald ganze Kulturen verloren gehen," befürchtet Schönbauer.

Pakistan und Iran an erster Stelle

In der Statistik der Aufnahmeländer stieg Österreich mit 25.500 Flüchtlingen vom 50. auf den 48. Rang. Ebenso zwei Plätze gutmachen konnten die USA, welche mit nach UNHCR-Schätzungen 844.000 Flüchtlingen auf dem dritten Platz landeten. Unangefochten an erster Stelle der Asylländer liegen Pakistan und der Iran. (APA)