Wien – Großes Interesse herrscht an der Nationalbank-Tochter Austria Card. Drei Firmen dürften es auf die Shortlist geschafft haben, die die Investmentbank Raiffeisen Investment AG am Mittwoch der Nationalbank übermittelte. Als sicher gilt in involvierten Kreisen, dass der französische Weltmarktführer bei Smartcards, Oberthur, auf der Liste steht, ebenso wie der griechische Konkurrent Lykos.

Rätselraten herrscht über die dritte Firma. Sowohl Österreichische Staatsdruckerei als auch die zur Schweizer Kudelski-Gruppe gehörende Nagra ID hoffen, aufgestiegen zu sein. Nagra ID berief am Mittwoch gar eine Pressekonferenz ein, um die Ziele mit der Austria Card breiter bekannt zu machen. Nach Angaben von Frederic Clauss, CEO von Nagra ID wolle man am Standort Wien festhalten. Bisher hatte dies explizit nur auch die Österreichische Staatsdruckerei bekannt gegeben. Der Betriebsrat der Austria Card hat sich schon früher gegen einen Verkauf an einen ausländischen Kartenhersteller ausgesprochen, da er um den Standort Wien fürchtete.

Chancen für Standort Wien

Nagra ID, deren Mutter Kudelski in Österreich auch den Zutrittssysteme-Hersteller Skidata besitzt, würde im Falle eines Zuschlages von Wien aus das Osteuropa-Geschäft leiten und den Bereich Bank- und Finanzkarten in Wien bündeln. "Austria Card hat im Bereich Zahlungsverkehr eine sehr gute Position", sagt Clauss. "Mit der Produktpalette kann man viel erreichen". Nach erster Ansicht der Austria-Card-Bücher meint Clauss, dass dem Unternehmen lediglich "die kritische Masse" gefehlt habe. Starke Konkurrenz auf dem Weltmarkt herrsche lediglich bei Karten für den Mobilfunk; nicht bei Finanzkarten mit Sicherheitsmerkmalen. Auch mit einem Minderheitseigentümer OeNB könnte Clauss "leben".

Laut Insidern dürften Oberthur und Lycos die höchsten Angebote für die Austria Card, dessen Verkauf schon seit Jahren immer wieder kolportiert und dann wieder verschoben wurde, gegeben haben. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.06.2007)