Wien - Der vor einer Woche wegen Spionageverdacht verhaftete russische Staatsbürger Wladimir W. ist seit Donnerstag 12:40 Uhr wieder auf freiem Fuß. Dies bestätigten sowohl das österreichische Außenministerium als auch das zuständige Landesgericht in Salzburg. Moskau hatte am Mittwoch einen österreichischen Antrag auf Verzicht der diplomatischen Immunität des Mannes abgelehnt. Das Ansuchen der deutschen Bundesanwaltschaft in Karlsruhe auf Auslieferung des Russen nach Deutschland wurde vom Salzburger Landesgericht abschlägig beschieden.

Derzeit in Wien

Auch von russischer Seite wurde die Freilassung des festgenommenen Wladimir W. bestätigt. Der Mann halte sich derzeit in der Botschaft der Russischen Föderation in Wien auf und werde das Land "in nächster Zukunft" Richtung Moskau verlassen, teilte eine Sprecherin der russischen Botschaft der APA mit. Wann genau dies geschehe, könne sie aber nicht sagen.

Das Moskauer Außenamt begrüßte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax die Freilassung. Vergangenen Freitag hatte das Ministerium energisch die Freilassung W.s gefordert und deutlich gemacht, dass Österreich durch die Verhaftung des Mannes den bilateralen Beziehungen Schaden zufüge.

Schutz der Immunität

Ein Sprecher des Außenministeriums hatte am Mittwoch erklärt, der russische Staatsbürger werde nach seiner Enthaftung "auf schnellstem Wege Österreich verlassen". Seitens Österreichs wurde in einer Note an die Vereinten Nationen mitgeteilt, dass man davon ausgehe, dass die UNO künftige Nominierungen W.s für UNO-Konferenzen nicht mehr akzeptieren werde. Der mutmaßliche Agent war für die Dauer der UNO-Weltraumtagung im VIC in Wien (6. und 15. Juni) akkreditiert gewesen.

Aufgrund dieser Akkreditierung genieße der Mitarbeiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, laut einem Gutachten des Rechtsdienstes der UNO in New York, den Schutz der Immunität. Bei der Staatsanwaltschaft Wien habe man sich laut der Tageszeitung "Die Presse" (Donnerstag-Ausgabe) über die Rechtsauslegung der UNO gewundert, wolle aber einer Enthaftung von W. nichts in den Weg legen.

Spionageverdacht

Der Russe steht unter Verdacht, in Österreich spioniert und dabei mit einem österreichischen Unteroffizier am Fliegerhorst Hörsching konspiriert zu haben. Beiden wird vorgeworfen, versucht zu haben, Daten des deutsch-französischen Kampfhubschraubers "Eurocopter Tiger" auszuspionieren. Der Angehörige des österreichischen Bundesheeres befindet sich laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien nach wie vor in Untersuchungshaft. Für Montag ist eine erste Haftverhandlung geplant.

Die Ermittler gehen laut "Kurier" (Donnerstag-Ausgabe) davon aus, dass es sich bei W. (Woschschow/Vozhzhov) um einen Spitzenagenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU handelt. (APA)