Tokio - Russland hat nordkoreanische Finanzmittel weitergeleitet, auf deren Erhalt die kommunistische Führung in Pjöngjang pocht, bevor es weitere Schritte im Konflikt um das Atomprogramm des Landes geben könne. "Das gesamte nordkoreanische Geld wird in diesem Moment zu einer Bank auf russischem Gebiet transferiert", erklärte Vize-Außenminister Sergej Kiseljak in Moskau. Die Überweisung soll einem russischen Diplomaten zufolge bis Freitag abgeschlossen sein.

Nordkorea macht die zugesagte Stilllegung seines Atomreaktors in Yongbyon davon abhängig, dass das ursprünglich von den USA eingefrorene Geld bei einer Bank in Macao eintrifft. Wegen neuerlicher Verzögerungen beim Transfer der Summe hatte das nordkoreanische Regime zuletzt auch den für nächste Woche geplanten Besuch von Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA bzw. IAEO) in Frage gestellt.

US-Chefunterhändler Christopher Hill traf am Donnerstag überraschend in Pjöngjang ein, um die internationalen Verhandlungen über einen Verzicht des ostasiatischen Landes auf Atomwaffen zu beschleunigen. "Wir hoffen, dass wir einiges von der Zeit gut machen können, die wir im Frühjahr verloren haben", sagte Hill bei seiner Ankunft. Konkret sollte es um die Wiederaufnahme der seit Monaten stockenden Sechs-Parteien-Gespräche gehen.

Hill sollte bis Freitag auch seinen nordkoreanischen Verhandlungspartner treffen, Vize-Außenminister Kim Kye-gwang. Hill ist seit Wochenbeginn in der Region unterwegs und führte zunächst Gespräche mit den anderen Mitgliedern der Sechs-Parteien-Verhandlungsgruppe - China, Südkorea und Japan. Auch Russland gehört der Runde an. Insgesamt waren 25 Millionen Dollar (19 Millionen Euro) in Macao unter dem Vorwurf der Geldwäsche eingefroren. (APA/Reuters)