Software nicht mehr kaufen, sondern für eine bestimmte Nutzungsdauer mieten: Was vor wenigen Jahren unter dem Kürzel ASP (Application Service Providing) mehr oder weniger floppte, soll nun als "Software as a Service" (SaaS) den Durchbruch schaffen. "Das ist inzwischen ein fahrender Zug, auf den die heimischen Unternehmen aufspringen müssen", erklärte Werner Dorfmeister, Sprecher der Electronic Business Experts in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) , bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der APA-E-Business-Community Donnerstagabend in Wien.

Web 2.0

Im Gegensatz zum ASP-Zeitalter würden sich nun durch Webservices neue Chancen bieten. "Der Ansatz, dass ein Kleinunternehmen seine Textverarbeitung im Browser macht, hat schon vor fünf Jahren nicht funktioniert", so Dorfmeister. Viel erfolgversprechender sei die Kombination von mehreren Anwendungen, wie sie bei Web 2.0-Diensten - etwa der Verknüpfung von Fotos mit dem Ort der Aufnahme - schon sehr gut funktioniere.

Möglichkeiten

"Der heimische IT- und Softwaremarkt hat dadurch neue Möglichkeiten, sich gegen beziehungsweise gemeinsam mit den Branchenriesen am Markt neu zu positionieren. Allerdings ist man hierzulande sehr konservativ und zu wenig offensiv", kritisierte der Experte. Außerdem stelle die mangelnde Verfügbarkeit von Venture-Kapital für innovative Dienste eine Katastrophe dar. "Kreative Köpfe haben es in Österreich schwer", sagte Dorfmeister.

Ein "Riesenpotenzial" für Anbieter ortet auch Harald Leitenmüller von Microsoft Österreich. "Ich rate jedem, diesen Trend nicht zu verpassen. Aber 'Software im Packerl' alleine wird weder den Erwartungen der User, noch den hohen Qualitätsansprüchen von Unternehmen gerecht. Wir benötigen vielmehr einen integrativen Lösungsansatz, der die technischen Vorteile des Internets mit den hohen Qualitätsstandards von Geschäftsanwendungen verbindet", gab sich Leitenmüller überzeugt. Als Knackpunkte bei der Akzeptanz sieht der Microsoft-Manager die Bereiche Sicherheit, Datenschutz und Vertrauen.

Ungelöstes

"Es gibt auch noch ungelöste Probleme im regulatorischen Bereich, wenn beispielsweise der Serviceprovider die Daten nach amerikanischem Recht sichert, der Kunde allerdings in Europa sitzt", ergänzte Manuel Aghamanoukjan von der Gentics Software GmbH. Software als Service werde heute bereits in vielen privaten und betrieblichen Bereichen genutzt - oft aber unbewusst: Routenplanung im Internet, Videos bei Youtube und Fotos auf Flickr würden ebenfalls in diese Kategorie fallen.

"Der wirkliche Markt liegt jedoch in der Ergänzung fix installierter Softwaresysteme um Mietsoftware, etwa Programme zum Kundenbeziehungsmanagement. Ansonsten müssen sich die Unternehmen entscheiden, ob sie standardisierte Anwendungen nutzen wollen oder handgestrickte Lösungen brauchen", so Aghamanoukjan. Voraussetzung dafür sei, das noch vielfach vorhandene "Schrebergartendenken" zu überwinden.(APA)