Mediawatch-Chef Clemens Pig.

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Wie lange Parteileute in der "ZiB 1" zu Wort kamen.

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Wer in 10 Jahren am längsten in der "ZiB 1" sprach und Wahlkämpfe 1999 und 2006: Politikerimages in "ZiB 1" und Print.

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Nachrichten sind männlich: Männer und Frauen am Wort in zehn Jahren "ZiB 1".

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200.000 Sekunden Redezeit von Politikern in den "ZiB"s hat Mediawatch exklusiv für den STANDARD in den ersten zehn Jahren analysiert. Regierungsparteien dominieren stets, neuerdings aber kommen alle weniger zu Wort.

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Innsbruck/Wien - Zwei Trends sieht Mediawatch-Geschäftsführer Clemens Pig seit der ORF-Reform in der "ZiB 1", den auch ohne Durchschaltung wichtigsten Nachrichten des Landes: Die große Koalition dominiert zeitlich (wie in den zehn Jahren zuvor alle Regierungsparteien). Und die Redezeiten aller Parteien sind "zum Teil empfindlich" verknappt. Das liegt auch, aber nicht nur an der insgesamt um rund zwei Minuten verkürzten "ZiB 1".

Fast ein Viertel (24,2 Prozent) weniger O-Töne in den Hauptnachrichten als im Jahresschnitt 2006 fand Mediawatch etwa im Mai; in der "ZiB 2" blieb sie mit minus zwei Prozent annähernd gleich. In der Mitternachts- "ZiB" indes sank sie gleich um 62,1 Prozent - kaum mehr Studiodiskussionen.

"Journalistische Autonomisierung"

"Ins Zentrum rücken Journalisten, die verschiedene politische Positionen darlegen und analysieren, was einem klaren Trend in allen Mediendemokratien entspricht", erklärt Pig und sieht darin Gegenstrategien zu Versuchen, Medien politisch zu instrumentalisieren.

In der Fachwelt heiße das "journalistische Autonomisierung". Im US-Präsidentschaftswahlkampf 2006 kamen etwa auf jede Minute, die George W. Bush und Al Gore in den Abendnachrichten zu sehen waren, sechs Minuten Eindrücke und Einschätzungen von Reportern und Moderatoren.

Zwischenbilanz

Pigs Zwischenbilanz nach zehn Jahren "ZiB"-Watch für den STANDARD: "Die Langzeitanalyse zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Regierungs- beziehungsweise Oppositionsrolle der Parteien. So stellt die ÖVP als ,ständige' Regierungspartei einen relativ konstanten Redezeitanteil von durchschnittlich 40 Prozent." Ausschläge nach oben zeigt die schwarze Fieberkurve rechts, 2000 kurz nach der Wende und 2005, kurz vor ihrem Ende.

Diese Wende (rasch auch an der ORF-Spitze vollzogen) halbierte den Anteil von O-Tönen der SPÖ in den wichtigsten Nachrichten. FPÖ beziehungsweise BZÖ schnellten mit der Regierungsbeteiligung nach oben. Die Grünen liegen in den zehn Jahren relativ konstant um zehn Prozent. Und Frauen konstant zu niedrig in Politik und "ZiB"s (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 23./24.6.2007)