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Sybille Bammer ist bereit, ihr Spiel jeden Tag zu verbessern.

Foto: APA/EPA/Parnaby

Wimbledon lässt sich nicht lumpen. Spielerinnen und Spieler bekommen noch vor dem ersten Aufschlag ein Geschenk, diesmal ist es ein Handy gewesen. Da aber auch Tennis Teil der globalen Leistungsgesellschaft ist, wird abgestuft. Jene, die den Top 25 angehören, haben Anspruch auf ein ganz tolles Gerät, angeblich kann man damit sogar Haare föhnen und Torten backen. Der große Rest muss sich mit einem Telefon begnügen.

Sybille Bammer gehört, da sie in der Rangliste als Nummer 21 geführt wird, der Minderheit an. "Das Handy ist der Unterschied. Und Leute wie Hingis oder Jankovic fragen mich, ob ich mit ihnen trainieren will. Das ist eine Form von Anerkennung." An der Bodenständigkeit, die ihr wohl vor 27 Jahren in St. Martin im Mühlkreis in die Wiege des elterlichen Bauernhofes gelegt wurde, habe sich nichts geändert. "Alles beim alten."

In der ersten Runde hat Bammer die Usbekin Warwara Leptschenko standesgemäß 6:2, 6:2 abgefertigt. Am Mittwoch ist die US-Amerikanerin Laura Granville (WTA 77) krasse Außenseiterin, wobei Bammer darauf Wert legt, "dass jedes Spiel bei 0:0 beginnt. Du musst die richtige Spannung aufbauen, ohne nervös zu sein. Das gelingt mir immer besser. Egal, wer Gegner ist." In Runde drei könnte es Martina Hingis sein.

Bammer ist in der Branche interessant geworden. Sie hat heuer das Turnier in Pattaya gewonnen, Kapazunder wie Serena Williams und Daniela Hantuchova geschlagen. Das bisherige Jahreseinkommen liegt bei knapp 300.000 Dollar, da kann man sich schon ein neues Mountainbike gönnen. In Wimbledon wurde sie sogar von der berühmten New York Times interviewt. Das hatte mit dem Sieg gegen Leptschenko nicht einmal am Rande zu tun, schuld daran sind die Lebensumstände der Ottensheimerin. Mutter und Berufstennisspielerin, na wusch, das hat was. Wie geht denn das eigentlich? "Für mich ist es normal, für andere außergewöhnlich. Weil es so etwas noch nie gegeben hat."

Einschnitt

Tochter Tina ist mit in London, Papa Christoph passt auf sie auf, da beide leicht fieberten, meiden sie vorerst die Anlage. Bammer hat sich um 100 Pfund pro Tag bei der Familie Williamson einquartiert, für hiesige Verhältnisse ist das ein Klacks. Im September kommt Tina in die Schule, das wird ein grober Einschnitt für sämtliche Beteiligte sein. "Ich lasse es auf mich zukommen."

Jürgen Waber (35) trainiert seit zwei Jahren mit Bammer, der oberösterreichische Landesverband hat ihn abgestellt. Ihre Entwicklung hat er quasi am eigenen Leib gespürt. "Am Anfang hatte sie gegen mich keine Chance, jetzt bin ich chancenlos. Sie hat Selbstvertrauen und ist bereit, sich jeden Tag zu verbessern."

Tina sagt vor jedem Match: "Viel Glück Mama, ich möcht, dass du gewinnst." Noch spricht sie live zu ihr, künftig wird sie das wohl telefonisch erledigen müssen. Mit dem tollen Handy aus Wimbledon. (Christian Hackl aus Wimbledon - DER STANDARD PRINTAUSGABE 27.6. 2007)