Heer sucht Nachwuchs

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Wien - "Nach wie vor suchen wir Männer und Frauen, die sich als Soldaten für große Herausforderungen und für Einsätze im In- und Ausland entscheiden und auch bereit sind, sich einer intensiven Ausbildung zu stellen. Nach wie vor suchen wir keine Gärtner und Kleintierzüchter, keine Angehörigen der Schulbusgeneration und keine Weicheier." Mit dieser markigen Ansage wirbt das Kommando der Kaderpräsenzeinheiten (KIOP/KPE) des Bundesheeres im steirischen Straß um Nachwuchs für Truppen, die auch zu friedenserhaltenden Einsätzen im Ausland geeignet sind.

Personalmangel

Man brauchte nur unter der Nummer 03453/2611-2010 anzurufen, wobei die Klappe "2010" wohl nicht zufällig für die Zielstruktur des Bundesheeres nach der so genannten Zilk-Reform steht. Aber diese Struktur lässt aufgrund von Personalmangel auf sich warten: "Die dafür nötigen Mittel und Rahmenbedingungen ist uns die Politik noch schuldig geblieben. Wenn Politiker zumindest einen Teil ihrer Energie, die um den Eurofighter ver(sch)wendet wird, für die Lösung anstehender Transformationsprobleme verwenden würden, wäre uns sehr geholfen", schreibt Oberstleutnant Ulfried Kohm in der Truppenzeitung "Der Panther".

Alfred Lugert vom "Verein österreichischer Peacekeeper" berichtet dem Standard, dass das KIOP nur halb so viele Soldaten hätte wie eigentlich geplant.

"Professionalisierung"

Miliz-Oberst Lugert führt das auf einen fehlgeleiteten Begriff von "Professionalisierung" zurück: "Die Tendenz zum Berufsheer vernachlässigt die Reservekomponente vollständig. Bei einer Dienstzeit von sechs plus null Monaten schrumpft der Milizstand automatisch - obwohl eine Aufstellung von internationalen Einheiten ohne Heranziehung von Freiwilligen aus der Miliz nicht funktionieren kann."

Rekrutierungsprobleme

Dazu kommt, dass es auch bei Berufssoldaten Rekrutierungsprobleme gibt: Vergangene Woche hat der Nationalrat beschlossen, dass Fachhochschulabsolventen Akademikern gleichgestellt werden. Ausgerechnet für Militärakademiker wird das aber nicht gelten. Nun wird befürchtet, dass Berufsoffiziere in andere Bereiche abwandern. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2007)