Wien - Für die Aktienexperten der Erste Bank ist der Aufwärtstrend an der Wiener Börse weiter intakt. Über die Sommermonate sind kurzfristig jedoch jederzeit schwächere Kurse möglich, ausgelöst vor allem durch das steigende Zinsniveau. Davon könnte jeder ATX-Wert betroffen sein. Gegen Jahresende hin werden wieder festere Kurse erwartet. "Der Ostmotor bleibt Hauptimpulsgeber für die Wiener Börse", so Erste Bank-Chefanalyst Friedrich Mostböck am Dienstag in Wien bei der Präsentation des Aktienmarkt-Ausblickes für das zweite Halbjahr.

Positives Umfeld

Das Umfeld für die Wiener Börse bewerten die Erste Bank-Experten weiterhin positiv. Die wirtschaftliche Entwicklung in den Zentral- und Osteuropäischen Ländern, in denen drei Viertel der ATX-Blue Chips "heftig" investiert sind, sei erfreulich. Auch die internationalen Märkte sollten positive Vorgaben liefern. Das Gewinnwachstum sei intakt, das aktuelle Bewertungsniveau der im ATX vertretenen Titel sei mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,3 nach wie vor attraktiv und die Liquidität weiter nachhaltig stark.

Auch gegenüber einer Veranlagung in Rentenpapiere liegen Aktien laut Mostböck im Vorteil: Aktien verzinsen aktuell um 2,4 Prozentpunkte höher als Anleihen. Das liege zwar unter dem langjährigen Schnitt von 2,9 Prozentpunkten, sei im internationalen Vergleich aber noch ein attraktiver Wert. Auch durch die gestiegene Korrelation mit den internationalen Märkten sollte weiteres Aufwärtspotenzial vorhanden sein.

Wieder Durschnittsperformer

Die Kurssteigerungen der Vorjahre sollten aber nicht wiederholbar sein, meinte Mostböck. Bereits im bisherigen Jahresverlauf sei die Wiener Börse mit 11,4 Prozent erstmals seit sechs Jahren wieder ein Durchschnittsperformer gewesen. "Wir glauben, dass der ATX seit 2006 von der massiven Outperformance abgerissen ist", so Mostböck. Auch höhere Kursschwankungen seien in Zukunft wahrscheinlich. Der Fokus der Anleger sollte auf der gezielten Titel-Auswahl, dem Stockpicking, liegen.

In Zahlen ausgedrückt prognostizieren die Erste Bank-Analysten für das dritte Quartal eine Bandbreite beim Leitindex ATX - aktuell bei 4.988 Punkten - von 4.650 bis 5.000 Punkten, mit einem Zielwert per Ende September von 4.900 Punkten. Im vierten Quartal sollte die Trading Range zwischen 4.900 und 5.300 Punkten liegen, mit einem Zielwert per Jahresende von 5.200 Punkten. Im ersten Halbjahr 2008 wird eine ATX-Bandbreite von 5.000 bis 5.500 Punkten mit einem Zielwert per Ende Juni 2008 von 5.400 Punkten gesehen.

Die Top-Empfehlungen der Erste Bank umfassen derzeit - alphabetisch - A-Tec (Kursziel: 225 Euro, aktuell: 193 Euro), Immoeast (13,20/10,51 Euro), Intercell (28,90/28,82 Euro, wird überarbeitet und soll laut Erste Bank-Analyst Günther Artner in den nächsten Tagen deutlich erhöht werden), Post (38,50/33,74 Euro), Teak Holz (14/8,91 Euro), voestalpine (88/66,32 Euro), Verbund (46/37,47 Euro) und Wiener Städtische mit einem Kursziel von 65/53,66 Euro. (APA)