Der Präsident zeigte sich erstaunlich kulant. Nachdem bekannt geworden war, dass der Gründer von Radio Maryja, Pater Tadeusz Rydzyk, gesagt hatte, Lech Kaczyñski sei der „jüdischen Lobby“ ergeben, und seine Frau sei eine „Hexe“, forderte der Staatschef zwar am Dienstag eine Entschuldigung. Die Forderung klang aber eher kleinlaut denn empört. Schließlich war Rydzyk ja mit Bruder und Premier Jaroslaw Kaczyñski noch am Sonntag wallfahrten. Zu dem Zeitpunkt musste beiden längst bekannt sein, dass die Medien Rydzyks Beleidigungen veröffentlichen werden. Die Kaczyñskis lenkten die Aufmerksamkeit also schnell auf einen dritten Wallfahrer, den auch der gemeinsame Ausflug nach Tschenstochau nicht davor schützte, einen Tag später seinen Ministerposten zu verlieren.

Der ehemalige Bauernführer Andrzej Lepper wurde wegen Korruptionsvorwürfen kurzerhand entlassen. Denn eine Regierungskrise wegen des Linkspopulisten kommt den Kaczyñskis allemal mehr entgegen als ein Skandal um den antisemitischen Pater. Die Regierungskoalition verliert zwar ohne die Selbstverteidigung die Mehrheit im Parlament, doch die Umfragen für die Lepper-Partei schauen nicht gut aus. Für die Partei ist es daher besser, in der Regierung zu bleiben, auch wenn ihr Chef entmachtet wird. Noch dazu ist Lepper im Moment geschwächt. Die Kaczyñskis versuchen daher die Samoobrona zu spalten. Und offensichtlich scheint ihnen das auch zu gelingen.

Nicht viel vergeben

Aber auch falls die Samoobrona die Koalition doch verlässt und es zu Neuwahlen kommt, haben sich die Kaczyñskis nicht viel vergeben. Denn am Ende brauchen sie eher die Unterstützung des Paters. Ganz einfach deswegen, weil hinter Radio Maryja etwa fünf Millionen Polen stehen und Rydzyks Medienimperium die Zwillinge im Wahlkampf 2005 offen unterstützte. Mehr als peinlich ist, dass sie sich weiter von der Unterstützung eines Antisemiten abhängig machen, selbst wenn er sie beschimpft, nur um die eigene Macht abzusichern. (Von Adelheid Wölfl, DER STANDARD, Printausgabe 11.7.2007)