Franz Josef Strauß selig rotiert vermutlich in seinem Ehrengrab. Um den CSU- Vorsitz bewerben sich mittlerweile gleich drei fabelhafte Kandidaten: ein Ehebrecher, eine Latex-Landrätin und ein farbloser Wirtschaftsminister. Drei Bewerber für ein Amt - so viel Auswahl für die Basis hat es in der autoritär geführten CSU überhaupt noch nie gegeben. Und dennoch ist dieser vermeintliche Triumph der Demokratie nichts anderes als eine Tragödie.

In einem Punkt hat Landrätin Gabriele Pauli ja Recht: Von den Konkurrenten, dem Bundesverbraucherminister Horst Seehofer und dem bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber, hört man kaum Programmatisches. Entweder gibt es keine Strategie, wie die beiden die CSU aus ihrer Krise führen wollen, oder sie haben eine, die noch so geheim ist, dass sie vor der Kommunalwahl im Frühjahr 2008 und der Landtagswahl im Herbst darauf möglichst wenig Beachtung finden soll.

Wohin steuert die CSU? Wie kann man mehr Frauen einbinden? Welche Rolle will die CSU in der Union spielen? Fragen, die nach Antworten suchen, gäbe es genug. Aber im Duell Seehofer versus Huber geht es vor allem um eines: Wer hat das bessere, sprich katholikentauglichere Familienleben, wer kann sich auf welche Seilschaften stützen und wer hat was gegen wen in der Hand? Jetzt kommt also Pauli ins (Trauer-)Spiel. Nur leider überzeugte auch sie bisher nicht mit Konzepten. Von ihr hört man vor allem, was alles nicht geht und schief läuft - garniert mit den unvergesslichen Lack-und-Leder-Fotos, die die umtriebige Landrätin blitzartig in die Luder-Liga katapultierten.

Seehofer und Huber mit Pauli zu bekämpfen ist also ungefähr so sinnvoll wie den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Auch Pauli selbst weiß, dass sie chancenlos ist. Aber ihr Antreten garantiert Blitzlichtgewitter und Aufmerksamkeit, die man sonst in Fürth nicht kennt. Und das ist halt spannender als sich im stillen Kämmerlein um Veränderung zu bemühen. (DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.7.2007)