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Angela Merkel

Foto: AP/Markus Schreiber
Es war ein politischer Reflex: Selbstverständlich ändere das Geiseldrama um die entführten deutschen Ingenieure nichts am deutschen Militär-Einsatz in Afghanistan, beeilte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verkünden, als die Nachricht vom Tod eines Ingenieurs nach Deutschland durchsickerte. Merkel verhält sich nicht anders als einer ihrer Vorgänger, der Sozialdemokrat Helmut Schmidt, in dessen Amtszeit die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" durch ein palästinensisches Terrorkommando und die Verschleppung von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer durch die RAF fiel: Man versucht Geiseln freizubekommen, man lässt sich jedoch auf keinen Fall erpressen.

Merkels Ansatz ist natürlich der richtige. Gerade Deutschland, das selbst nach dem Zweiten Weltkrieg so viel internationale Solidarität beim Wiederaufbau des Landes erfahren hat, kann sich in Afghanistan nicht davonstehlen und aus der internationalen Gemeinschaft ausscheren - nicht zuletzt, weil dies einer Kapitulation gleichkäme, und der Deal lautete: Wer nicht in den Irak will, hilft in Afghanistan.

Doch die vielen Rückschläge haben auch in Deutschland großen Frust und ein Hinterfragen des militärischen Engagements am Hindukusch erzeugt. Im Herbst steht die Mandatsverlängerung durch den Bundestag an, und die Zweifler formieren sich. Die grüne Basis hat bereits einen Sonderparteitag für Mitte September erzwungen, auch bei den Sozialdemokraten gibt es große Skepsis, was die Linkspartei geschickt zu nutzen verstehen wird. "Raus aus Afghanistan", lautet eine ihrer zentralen Forderungen, die zu trommeln der neue Vorsitzende Oskar Lafontaine nicht müde wird.

So eindeutig und schnell die Botschaft der Bundeskanzlerin an die Entführer und die Verbündeten im Kampf gegen den Terror erfolgte - in Deutschland selbst wird die Debatte schwieriger werden, und Merkel wird sich mehr Zeit nehmen müssen. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.7.2007)