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Foto: APA/OEAMTC
Wien - 800.000 Menschen in Österreich verletzen sich jedes Jahr bei Unfällen. 75 Prozent dieser Verletzungen passieren daheim, in der Freizeit beziehungsweise beim Sport. Laut Konsumentenschutzminister Erwin Buchinger haben rund 50.000 der Heim-, Freizeit- und Sportunfälle eine produktbezogene Ursache, wie zum Beispiel ein falsch montierter Fahrrad-Kindersitz. Mit Hilfe von Unfalldaten aus der Befragung betroffener Patienten soll die Produktsicherheit erhöht und somit die Zahl der Unfälle verhindert werden, wie Buchinger und das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)erklärten.

Unfalldimensionen sind "erschreckend"

Laut dem Konsumentenschutzminister sind die Unfalldimensionen in Österreich "erschreckend". Freizeit-, Heim- und Sportunfälle verursachen jährlich nicht nur Hunderttausende Verletzte, auch etwa 1.700 Todesfälle sind zu beklagen. Damit wird die Zahl der tödlichen Verkehrs- und Arbeitsunfälle klar übertroffen. "Freizeitunfälle verdrängen wir sehr, obwohl sie eine nicht zu unterschätzende Größe darstellen", betonte Buchinger. Besonders betroffen sind Männer im Alter von 25 bis 44 Jahren sowie Frauen über 65. Die direkten Folgekosten im Bereich Gesundheit betragen rund vier Milliarden Euro, die volkswirtschaftlichen Kosten liegen sogar noch höher.

Maßnahmen im Bereich Produktsicherheit

Fast immer sind laut KfV in diese Unfälle Produkte wie Sportutensilien, Handwerkgeräte, Spielsachen, Kleidung, aber auch Mobiliar, Fenster oder Türen involviert. Wobei nicht zwangsläufig das Produkt Schuld am Unfall haben muss, sondern möglicherweise Fahrlässigkeit und unsachgemäße Verwendung. Daher seien Maßnahmen im Bereich Aufklärung und Produktsicherheit notwendig, denn je sicherer Produkte seien, umso eher könnten Unfälle ausgeschlossen werden, so Buchinger.

"Injury Database"

Zur Produktsicherheit soll die österreichische Unfalldatenbank beitragen. Im Rahmen des Programmes "Injury Database" werden Patienten in sechs österreichischen Spitälern zum Unfallhergang befragt. Durchgeführt wird dies vom Kuratorium für Verkehrssicherheit mit finanzieller Unterstützung durch das Konsumentenschutzministerium. Dadurch sollen Unfallursachen, Risikogruppen sowie gefährliche Produktgruppen erkannt werden. "Denn nur wer weiß, wie Unfälle passieren, kann auch etwas dagegen tun", so KfV-Direktor Othmar Thann.

Verbesserung der Vorschriften

2006 wurden die Unfalldaten von mehr als 6.400 Patienten ausgewertet. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Verbesserung der Vorschriften zur Produktsicherheit ein, deren Grundlage das Produktsicherheitsgesetz von 2004 ist. Dabei stehen Maßnahmen wie zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen bis hin zum Verkaufsverbot oder ein verpflichtender Rückruf zur Verfügung.

Beispiel Fahrrad-Kindersitze

Als Beispiel nannte Konsumentenschutzminister Buchinger Fahrrad-Kindersitze, die früher häufig vorn am Rad ohne Speichenschutz angebracht waren. Die Daten aus der "Injury Database" ergaben eine enorme Unfallgefahr. Durch neue Vorschriften müssen solche Kindersitze nun hinten am Rad mit Speichenschutz angebracht werden, was zu einer massiven Verringerung von Unfällen mit schweren Verletzungen geführt hat. Andere verbesserte Produkte sind beispielsweise Laufwagerl für Kleinkinder, Öllampen oder Feuerzeuge.

"Eigenverantwortung nicht ersetzbar"

Laut KfV-Direktor Thann ist daher "Produktsicherheit eine wesentliche Strategie für die Unfallprävention, und 'Injury Database' liefert dafür wesentliche Erkenntnisse". Buchinger warnt jedoch vor der "Illusion, dass man ausschließlich mit Produktverbesserungen sämtliche Unfälle verhindern kann. Eigenverantwortung kann nie ganz ersetzt werden". (APA)