Nach monatelangem Tauziehen um den künftigen Kurs des Forschungszentrums Seibersdorf sind am Dienstag endlich Eckpfeiler eingeschlagen worden. Der nach Jahren strategischer Fehlentscheidungen und Herumwurstelns ins Schlingern geratene Forschungstanker – die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Republik – muss sein Kerngeschäft wieder ordentlich betreuen.

Was wie die sprichwörtliche Binsenweisheit klingt, wird Schwerarbeit, die in einem halben Jahr nicht zu machen sein wird, sondern mindestens zwei, vielleicht sogar drei Jahre und Millionenzuschüsse brauchen wird.

Denn so wichtig die Erstellung einer neuen, zukunftsweisenden Exzellenzstrategie ist, ihre Umsetzung wird so richtige Schwerarbeit. Nicht nur müssen alle Wissenschafter von ihrer Richtig- und Notwendigkeit überzeugt werden, sie kann und wird auch Arbeitsplätze kosten. Dass die Reform vornehmlich in der aufgeblähten Verwaltung und möglichst nur über (Früh-)Pensionierungen erfolgen soll, wie Eigentümer und Geschäftsführer versichern, ist löblich. Ohne Abgänge und Freisetzungen wird sich die Konzentration auf vier Forschungsbereiche aber wohl nicht umsetzen lassen.

Vom Tisch ist damit endlich die – für die nicht immer an einem Strang ziehende Geschäftsführung – "billigste" Variante: das fröhliche Köpferollen in der Forschung. Die wäre für die Kunden der Austrian Research Centers (ARC) nämlich ein verheerendes Zeichen gewesen, weil es Zukunft gekostet hätte.

Grundvernünftig ist, dass die Sachverhaltsdarstellungen über die mysteriösen Vorgänge rund um den Verkauf der Eisenstädter ARC-Tochter FWG an die Staatsanwaltschaft übergeben werden. Sie wird entscheiden, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.7.2007)