Wien - "Da gehört eine Bombe draufgeschmissen. Mit allen Insassen drin." Die drei Herren vor dem Würstelstand Ecke Schlechtastraße/Gänsbacherstraße sind in ihrer Einschätzung über das gegenüberliegende Asylwerberheim "Haus Jupiter" des Roten Kreuzes einer Meinung. Eine Meinung, die in dem Grätzel um die Geiselbergstraße in Wien-Simmering auch anderswo herrscht.

Denn in dem Heim wohnen jene Ausländer, aufgrund derer "die Anrainer dort in Angst" leben, wie die Kronen Zeitung seit Tagen berichtet. Und das deshalb geschlossen gehöre, wie Heinz-Christian Strache am Donnerstag via Aussendung forderte. Das Problematische dabei: Jemanden zu finden, der persönlich negative Erfahrungen gemacht hat, ist gar nicht so leicht.

Herr B. ist einer davon, und ihm "reicht es schön langsam". Seit über 20 Jahren wohne er hier, erzählt der Pensionist und Gast im Wirtshaus "Zum Geiereck". Eine benachbarte Großdisco, in und vor der am Wochenende immer wieder Türken lautstark Hochzeiten feiern, habe ihm den Schlaf geraubt, schildert er. "Gusch, du depperter Österreicher" sei er beschimpft worden.

Unwiderlegbare Beweis für die unhaltbaren Zustände sind für Herrn B. aber die Fotos vom vergangenen Sonntag. Von seinem Fenster aus hat er geknipst, was für ihn zunächst nach einer "Massenschlägerei" vor einem (mittlerweile behördlich gesperrten) afrikanischen Lokal ausgesehen hat. Eine Schlägerei, die fünf leicht Verletzte gefordert hat, wie Michael Mimra von der Polizei auf Anfrage bestätigt.

Den Einwand, ein einzelner Betrunkener habe randaliert und die anderen hätten versucht, ihn zu beruhigen, was auf den Fotos auch so erkennbar ist, lässt Herr B. durchaus gelten. Die Fotos will er trotzdem "an den Strache und die Grünen" schicken.

"Verlässliche Quelle"

Der Geiereck-Wirt ist nicht minder empört: "Was das Ärgste ist, ist, wenn ich zu den Drogenfahndern vorgeladen werde, weil irgendwelche Bimbos von meinem Apparat aus ihre Deals vereinbart haben." Herr B. hat selbst zwar noch keinen Drogendeal beobachtet, aber es gibt sie, weiß er "aus verlässlicher Quelle". Was Polizist Mimra so nicht bestätigt - beim Landespolizeikommando ist man derzeit aber beschäftigt, eine Statistik zu erstellen.

Die Täter? Sicher aus dem "Haus Jupiter", in dem 300 Schwarzafrikaner leben sollen, wie Herr B. gehört hat. Zahlen, die mit der Realität nicht übereinstimmen, wie Leiterin Cecilia Heiss vorrechnet: 137 Bewohner 32 verschiedener Nationalitäten wohnen seit 2003 hier.

In die Schlägerei sei niemand aus dem Heim verwickelt gewesen, das habe auch die Polizei bestätigt, beteuert Heiss. Überhaupt sei seit ihrem Amtsantritt im September kein Bewohner wegen einer Straftat festgenommen worden. Auch von der Bevölkerung gibt es keine konkreten Beschwerden, bloß aus zweiter Hand höre Heiss Gerüchte um angsterfüllte Anrainer.

Durch vereinende Freizeitaktivitäten ist es ihr erstmals gelungen, unterschiedliche Nationalitäten in gemischten Zimmern unterzubringen. Tätliche Übergriffe gebe es im Heim überhaupt nicht mehr. Und Hausverbot wurde, entgegen der missverständlichen Berichterstattung der Krone, nur gegen verbal ausfallende "Fremdschläfer" erteilt. (Maria Antonia Graff/Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 27. Juli 2007)