Diesen doppelbödigen Witz erzählen auch die Republikaner in diesem langen US-Wahlkampf immer wieder gerne: „Warum ist Rudy Giuliani ganz sicher der ge-eignetste Kandidat für das Präsidentenamt? Weil ein Mann, der derart schlecht mit seiner Frau umgegangen ist wie er, zweifellos auch den Mumm besessen hätte, Donald Rumsfeld früher aus dem Pentagon zu werfen.“

Es gibt nicht viel, was die Situation der Republikanischen Partei in diesen Tagen besser beschreibt: Die Riege der Kandidaten, die sich für das Weiße Haus bewerben, ist vorerst eine matte Versammlung. Giuliani, Mitt Romney, John McCain, Fred Thompson (wenn er kandidiert) kommen selbst bei den eigenen Parteigängern nicht an. In einer jüngsten Umfragen hat das „none of the above“ (keiner der oben Genannten) eine Mehrheit vom 25 Prozent, erst dann folgt Giuliani mit mageren 21 Prozent Zustimmung.

Der Grund dafür mag im mangelnden Format der Kandidaten zu suchen sein. Hintergrund ist aber auch, dass die „Grand Old Party“ (GOP) ideologisch völlig derangiert dasteht. Noch einmal Donald Rumsfeld. Unter anderem der ehemalige Verteidigungsminister, Vizepräsident Dick Cheney oder Jeb (erstaunlicherweise nicht George W.) Bush haben am 3. Juni 1997 das „Project for the New American Century“ unterschrieben. Mit einer „Politik der militärischen Stärke und der moralischen Klarheit“ sollte die amerikanische Hegemonie auch im 21. Jahrhundert gesichert werden.

Auf diesem Fundament kaperten die „Neocons“ unter Rumsfeld, Cheney und Paul Wolfowitz zuerst die republikanasche Partei und dann die US-Administration. Heute, zehn Jahre und ein grandioses Scheitern später, steht jedenfalls die GOP ohne jede Stärke und moralische Klarheit da.

Es scheint, als könnten die Republikaner keinen einigermaßen konsistenten gemeinsamen Standpunkt mehr finden: George W. Bush gibt mit beiden Händen Steuergelder für immense Militärbudgets aus, gleichzeitig waren die Republikaner immer die amerikanische Steuersenkungspartei („Read my lips: no new taxes“, damit gewann George H. W. Bush die Präsidentenwahl 1988). Oder: Giuliani ist zum vierten Mal verheiratet und auch sonst nicht besonders religiös. Bushs Wahlkampfleiter Karl Rove („Bush’s Brain“) schaffte es 2004 allerdings nur mit den Stimmen der evangelikalen Christen, das Weiße Haus zu verteidigen.

Solche Widersprüche finden sich im Lager der Republikaner derzeit zu Hauf. Und sie rufen bei vielen Reminiszenzen an bessere Zeiten hervor. Der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, wird dieser Tage oft als möglicher Präsidentschaftskandidat genannt. Man erinnert sich gerne an die 1990er-Jahre, in denen Gingrich eine „Republican Revolution“ ausrief und Bill Clintons Administration zeitweilig nach Belieben vor sich her trieb.

Bei den Midterm-Wahlen 1994 gewannen die Republikaner unter Gingrich erstmals nach 40 Jahren wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurück, und sie eroberten auch die seit 1972 bei den Demokraten liegende Mehrheit der Gouverneursämter (einer der neuen Gouverneure war damals übrigens ein gewisser George W. Bush). Nichts schien die Republikanische Revolution damals aufhalten zu können. Und nicht wenige Wahlforscher sagten der GOP nach dem Gewinn des Präsidentenamtes im Jahr 2000 eine Dominanz über Jahrzehnte voraus.

Es kam anders. Jetzt erscheint die republikanische Partei nach des ersten Jahren des „New American Century“ völlig abgewirtschaftet zu sein. Und die einzige Chance, bei den Präsidentschaftswahlen noch etwas zu reißen, liegt für die meisten Kandidaten darin, sich vom Kernprojekt der der Neocons, dem Irak-Feldzug, zu distanzieren.

Das allerdings bleibt das einzige Gemeinsame. Während sich bei den Demokraten ein Wettlauf abspielt, wer denn der bessere „change candidate“ sei (Barack Obama oder doch John Edwards?) und Reformpläne gewälzt werden, kommen die Republikaner nicht und nicht in die Gänge. Von einem „drive“ in einer der Kampagnen kann ohnehin niemand reden.

Was also heißt „republikanisch“ heute? Vor allem: gegen Bush und Konsorten zu sein. Das allerdings schaffen die anderen immer noch um einen Tick glaubwürdiger. (DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.7.2007)