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Grafik: APA
Der Kärntner Landesenergieversorger Kelag zieht den anderen Versorgern beim Strompreis nach – und läutet die nächste Preisrunde ein. Wiewohl alle versichern, "derzeit" keine Preiserhöhungen zu planen: Sobald es politisch opportun ist, werden sie kommen.

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Wien – Den Anfang macht die Kelag. Der Kärntner Landesenergieversorger erhöht per 15. September seinen Strompreis im Schnitt um 6,4 Prozent. Das dürfte der Anfang der nächsten Teuerungswelle sein, die in der E-Wirtschaft Anfang 2008 flächendeckend erwartet wird. Wiewohl sich die anderen Energieversorger (noch) nicht aus der Deckung wagen und von Preiserhöhungen offiziell nichts wissen wollen, ist in der Branche aufgrund der langfristigen Lieferverträge, die in den nächsten Monaten für 2008 abgeschlossen werden, klar, dass an einer Preiserhöhung kein Weg vorbei führt. "Wir wissen aus der Beschaffung, dass die Preise nächstes Jahr wieder steigen", sagt ein Vorstand eines EVU zum STANDARD, eine Preiserhöhung heuer sei aber wenig realistisch. Offiziell heißt das dann so: "Wir beobachten die internationalen Märkte laufend."

Was nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird: Das Problem sind Landeshauptleute. Sie wollen als Mehrheitseigentümer von unpopulären Preisherhöhungen nichts wissen. "Applaus der Politiker gibt es nur bei Preissenkungen, notwendige Preiserhöhungen müssen wir möglichst weit hinausschieben", ätzt ein Vorstandsmitglied eines Stromversorgers, das nicht genannt werden will.

Angesichts der niederösterreichischen Landtagswahl im Frühjahr 2008 darf nicht verwundern, dass bei EVN die im Dezember um 0,5 Cent je Kilowattstunde (plus fünf Prozent) erhöhten Stromkosten "stabil" bleiben, wie EVN-Sprecher Stefan Zach versichert. Auch für Gas, das im Dezember 2006 im Schnitt um 9,4 Prozent teurer und am 1. Juli um acht Prozent billiger wurde, seien "in nächster Zeit" keine Preiserhöhungen geplant, versichert der EVN-Sprecher.

vDefinitiv keinen Bedarf", für eine Preisanhebung sieht man bei Wien Energie, deren Strom zu Jahresanfang um 6,3 Prozent und Gas um 5,3 Prozent teurer wurde. Allerdings beobachte man die Preisentwicklung sehr genau. Skeptisch macht die Wien-Strom und Wien-Gas-Kundschaft freilich, dass die Wiener "Verständnis haben für die Maßnahme des Mitbewerber" im südlichsten Bundesland.

Wie unangenehm Preiserhöhungen für Volksvertreter sind, zeigt auch die aktuelle der Kelag, die von manchen Mitbewerbern auch als Nachziehen an die Preiserhöhungen im Winter qualifiziert wird. Er lasse Familien und einkommensschwache Personen nicht im Stich, vermeldete Landeshauptmann Jörg Haider, der prompt eine Anpassung der Familien- und sonstigen Sozialleistungen ankündigte. In der ersten Regierungssitzung im September werde er ein Paket zur Beschlussfassung vorlegen, mit dem ein Ausgleich für die Strompreiserhöhung (um 3,30 Euro pro Monat und Haushalt) geschaffen werde. Insgesamt sei Kelag-Strom im Österreich-Vergleich noch immer im unteren Drittel und auch günstiger als jener der Klagenfurter Stadtwerke, die seit Februar um 15 Prozent mehr verlangen.

Bei der burgenländischen Bewag, die ihre Preise im Jänner im Schnitt um 1,8 Prozent angehoben hat, sei derzeit ebenfalls keine Strompreiserhöhung geplant. Man habe für 2007 eine Strompreisgarantie abgegeben.

Begründet werden Preiserhöhungen durch die Bank mit geringer Wasserführung durch Trockenheit und Mehrverbrauch. Beim Verbund kalkuliert man darüber hinaus mit CO2-Zertifikaten als Treiber. Strom werde sicher teurer, sagt Karl Gollegger von Verbund Austrian Power Sales, aber nicht im Moment. APS werde immer zehn bis 15 Prozent billiger sein als andere EVU. Bei Energie Steiermark (Estag), bei der Strom im Februar um sechs Prozent teurer wurde, beobachtet man die internationalen Märkte, denke aktuell aber nicht an Erhöhungen. Bereits im Kasten haben ihre Preiserhöhung die Vorarlberger Kraftwerke (VKW). Per 1. Juli 2007 wurde Strom für Haushalts- und Geschäftskunden um 0,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) erhöht, was einem Plus um um rund vier Prozent entspricht. Die Begründung: Zugekaufter Strom sei um 37 Prozent teurer als 2006. (ung, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.07.2007)