Es gibt viele gute Gründe, ein "Freiwilliges Soziales Jahr" zu absolvieren – Geld gehört definitiv nicht dazu. 186 Euro pro Monat erhalten die Jugendlichen, dieser Betrag wird nicht umsonst als "Taschengeld" bezeichnet. Kein Wunder, dass sich pro Jahr nur rund 300 junge Menschen engagieren: Ein Sozialjahr muss man sich leisten können, ohne elterliche Unterstützung kommt sonst kaum einer über die Runden. Als kleines "Zuckerl" gab es im vergangenen Jahr 150 Euro Sonder-Förderung pro Monat vom Sozialministerium – aber selbst die will man den jungen Menschen nun verwehren. Denn seit es die große Koalition gibt, fühlt sich niemand so richtig für sie zuständig. Weder das schwarze Familienministerium noch das rote Sozialministerium wollen die halbe Million Euro aufbringen, die diese Förderung kostet.

Dieses Kompetenzgerangel führt in die falsche Richtung, nämlich weit weg von einer Familienbeihilfe für Sozialjahrabsolventen, die schon seit Jahren gefordert wird. Das Gegenargument: Es handle sich beim Sozialjahr um keine Form der Ausbildung. Das stimmt zwar formal, praktisch ist es für den Großteil der jungen Menschen aber der erste Schritt in Richtung Sozialberuf – und eine überaus wertvolle Erfahrung. Und für die Einrichtungen, die die Möglichkeit eines solchen Praktikums anbieten, sind sie eine wertvolle Unterstützung.

Die Zahl der Betroffenen ist klein – noch ein Argument mehr, ihnen Familienbeihilfe oder eine sonstige Unterstützung zu gewähren: Die Kosten wären überschaubar, die Signalwirkung enorm positiv. Für die betroffenen Jugendlichen wäre eine Beihilfe zumindest ein kleiner finanzieller Anreiz, ein ganzes Jahr für einen sozialen Dienst zu "opfern". Lukrativ wird das Sozialjahr dadurch noch lange nicht – aber zumindest möglich. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2007)